Vegetationskartierung
Gegenstand der Vegetationskartierung
Die reale Vegetation in der Kulturlandschaft Mitteleuropas besteht aus Wäldern, Wiesen, Weiden, Äckern, Hecken, Heiden, Trockenrasen, Sümpfen und Mooren. Diese Vegetationsformationen sind vorwiegend durch lang andauernde menschliche Nutzungen entstanden. Bei den im BfN durchgeführten früheren Kartierungen der realen Vegetation handelte es sich vorwiegend um Grünland- und Waldgutachten, die im Rahmen von Beweissicherungsmaßnahmen und als Grundlage für Landwirtschaft und Forsteinrichtung erarbeitet wurden.
Bei der Potentiellen Natürlichen Vegetation (PNV) handelt es sich dagegen um einen gedachten Endzustand der Vegetation, der ohne die menschlichen Einflüsse aufgrund der aktuellen klimatischen, edaphischen und floristischen Bedingungen vorherrschen würde. Mitteleuropa wäre danach heute unter diesen Standortgegebenheiten von Waldgesellschaften bedeckt mit Ausnahme von Gewässern, Mooren, Felsen und Berggipfeln oberhalb der Waldgrenze.
Methode
Die Ermittlung der Struktur und Zusammensetzung der Potentiellen Natürlichen Vegetation fußt im Wesentlichen auf der Kenntnis erhalten gebliebener Restbestände der natürlichen und naturnahen Ökosysteme und deren Korrelation mit bestimmten Standortbedingungen wie Geologie, Böden und Klima. Die von dem Pflanzensoziologen Reinhold Tüxen im Jahr 1956 entwickelte Methode der Kartierung der Potentiellen Natürlichen Vegetation (PNV), ermöglicht es, das natürliche Vegetationsinventar eines Gebietes sowie die Ausdehnung und räumliche Anordnung der für die jeweiligen Standorte typischen natürlichen Pflanzengesellschaften in einer PNV-Einheit zusammenzufassen und in einem mittleren bis kleinen Maßstab übersichtlich darzustellen.
Pflanzengesellschaften
In der Natur wachsen die Pflanzenarten nicht isoliert nebeneinander, sondern sind je nach Anpassung an Standort und Klima zu Lebensgemeinschaften vergesellschaftet, die sich sehr gut zur Gliederung und Beschreibung der Vegetation eignen. Grundlegende Einheit im pflanzensoziologischen System der Pflanzengemeinschaften ist die Assoziation, welche durch diagnostisch wichtige, charakteristische Arten gekennzeichnet ist. Mehrere, durch Kennarten voneinander unterscheidbare, aber sonst floristisch ähnliche Pflanzengesellschaften werden zu höheren Einheiten, den Verbänden, Ordnungen und Klassen zusammengefasst. Diese Systematik der Pflanzengesellschaften ermöglicht die Übersicht über ein großes Gebiet sowie die erste Ansprache und Bestimmung der Gesellschaften im Gelände und bietet die Grundlage zur Kartierung der Vegetation.
Verteilung der Pflanzengesellschaften auf die Formationsgruppen (nach Rennwald 2000)
| Formationen | Anzahl der Klassen | Anzahl der Assoziationen/Gesellschaften | |
|---|---|---|---|
| Gesamt | 48 | 788 | |
| I. | Wasserpflanzengesellschaften | 5 | 116 |
| II. | Schutt-, Felsspalten- und Mauerfugengesellschaften | 2 | 43 |
| III. | Therophytenreiche Pioniervegetation | 4 | 69 |
| IV. | Eutraphente Röhrichte und Großseggenriede | 1 | 47 |
| V. | Quell-, Niedermoorgesellschaften, Hochmoorschlenken- und Bulten-Gesellschaften | 2 | 43 |
| VI. | Meerstrand-, Spülsaum-, Dünen-, Salzwiesengesellschaften | 8 | 37 |
| VII. | Tritt- und Flutrasen, Wirtschaftsgrünland, Graudünen, Halbtrocken-, Mager- und Hochgebirgsrasen | 8 | 134 |
| VII. | Nitrophytische, ruderale Staudenvegetation | 5 | 115 |
| IX. | Zwergstrauchgesellschaften, Borstgrasrasen | 2 | 29 |
| X. | Gebüsche und Vorwälder | 6 | 68 |
| XI. | Waldgesellschaften | 5 | 78 |

