Bundesamt für Naturschutz

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Anpassung, Naturschutz und Klimaschutz

Es zeigt sich, dass Naturschutz und Klimaschutz eng miteinander verknüpft sind. Ein rasanter Klimawandel kann zu einem weltweiten Verlust der Artenvielfalt und von Lebensräumen führen. Die Natur, aber auch wir Menschen, brauchen Zeit, um sich/uns den ändernden Klimabedingungen anzupassen. Andererseits kann ein effektiver Naturschutz kostengünstig zur Abschwächung der Klimaveränderungen und zum Schutz des Menschen vor den Auswirkungen von Extremereignissen und Naturkatastrophen beitragen: Insbesondere im Bereich des Hochwasser- und Küstenschutzes, aber auch bei der Sicherung der Wasserversorgung in Trockenzeiten, sind naturverträgliche Lösungen (z. B. durch den Erhalt oder die Renaturierung von Auen, die Erhaltung oder Entwicklung von Wäldern, den Schutz und die Wiederherstellung natürlicher Küstenökosysteme und Überflutungsräume) oft mit geringeren Kosten verbunden als entsprechende technische Alternativen.

Es gilt daher zum einen, die natürlichen Ökosystemfunktionen (z.B. Wasserspeicherung und Rückhaltung gegen Hochwasser) zu erhalten oder wiederherzustellen, und zum anderem darum, die Auslöser des Klimawandels, die Treibhausgasemissionen, zu reduzieren.

Die wichtigsten Maßnahmen in Bezug auf die bestmögliche Abpufferung des erwarteten Klimawandels sind derzeit u. a. Projekte mit denen Treibhausgase wie CO2 entweder eingespart oder dem Kreislauf entzogen und festgelegt werden soll. Neben einer notwendigen Effizienzsteigerung in der Nutzung der Energieträger (z. B. Kraftwärmekopplung bei Kraftwerksneubauten) sollten auch einige energieaufwendige Aktivitäten überdacht werden. Zusätzlich sollte beispielsweise der Verbrauch von fossilen Energieträgern (Öl, Gas, Kohle) durch die Substitution mit nachwachsenden Rohstoffen reduziert werden. Die fossilen Energiespeicher sollen so geschont werden, so dass weniger CO2 freigesetzt wird (lediglich das CO2, das vorher während des Anbaus der nachwachsenden Rohstoffe gebunden wurde, wird wieder freigesetzt). Doch wie weiter unten aufgeführt wird, "ist nicht alles Gold was glänzt" und die Rohstoffproduktion muss sowohl  eine tatsächliche CO2 Einsparung nachweisen und zusätzlich auch die Kriterien des Naturschutzes erfüllen.

Als zweiter Ansatzpunkt, der derzeit auf internationaler Ebene verhandelt wird, gilt die Erhöhung der Kohlenstoffspeicherung in Ökosystemen als Maßnahme zur Reduzierung der Treibhausgase in der Atmosphäre und somit zur Verlangsamung des Klimawandels. Auch hier bietet sich die Natur als „Dienstleister“ in Sachen Treibhausgasspeicherung an: Natürliche Ökosysteme (Meeres- und Landökosysteme) stellen die weltweit bedeutendsten CO2-Senken dar. An Land wird durch das Wachstum der Vegetation sowie durch Torfbildung in Mooren und Humusbildung in natürlichen Grasländern (Steppen, Prärien, Pampas) und Wäldern (insbesondere borealen und nemoralen Wäldern) dem Kreislauf Kohlenstoff entzogen und festgelegt. Dabei ist weltweit alleine im Torf der Moore über 30 % des in Böden gespeicherten Kohlenstoffs gebunden, obwohl die Moore nur ca. 3 % der Landfläche der Erde ausmachen. Dies ist ebensoviel Kohlenstoff wie in der terrestrischen Biomasse gebunden ist. Aus diesem Grund ist es wichtig, diese natürlichen CO2- Senken zu schonen, zu schützen und wo möglich wiederherzustellen.

Bei der Etablierung neuer CO2 Senken stehen unter anderem Aufforstungsprojekte im Mittelpunkt des Interesses, da diese zur Erfüllung von Verpflichtungen nach dem Kyoto-Protokoll angerechnet werden können. Gegenwärtig wird unter der Klimarahmenkonvention ein Instrument entwickelt, das Anreize zur Verhinderung der Entwaldung in den Tropen bzw. der Degradation von Ökosystemen bieten soll, um die damit verbundenen Treibhausgasemissionen zu reduzieren (REDD – Reducing Emissions from Deforestation and Degradation). In den nächsten Jahren sind voraussichtlich erhebliche Investitionen zu erwarten. Diese Projekte können durchaus positive Auswirkungen auf die biologische Vielfalt haben: Die zielgerichtete Renaturierung bzw. Nutzungsextensivierung kann zum Beispiel in vielen Gebieten zur Verbesserung des Biotopverbundes genutzt werden, die biologische Vielfalt kann so ebenfalls erhöht werden.

„Es ist nicht alles Gold was glänzt…“

Bei allen Aktivitäten ist es jedoch sehr wichtig zu beachten, dass vordergründige Maßnahmen gegen den Klimawandel nicht zwangsläufig positive Effekte sowohl im Bereich Klimawandel als auch für die biologische Vielfalt haben, wie das Thema „Biofuels“ (Biokraftstoffe) deutlich zeigt. Zahlreiche Palmölplantagen und Zuckerrohrfelder für die Produktion von Biokraftstoffen (z.B. Biodiesel und Bioethanol) entstanden und entstehen dort, wo zunächst Urwälder abgeholzt oder Moore entwässert werden mussten. Es wurde nicht nur biologische Vielfalt direkt zerstört, sondern es wurde auch noch CO2 in großen Mengen freigesetzt! – Die vordergründige Einsparung von CO2 in Europa führt so zu weitaus größeren CO2 Emissionen andernorts.

In Europa selbst wird es wieder lukrativ, landwirtschaftliche Flächen zur Erzeugung von Energiepflanzen zu bewirtschaften, die bislang zur Nahrungsmittelerzeugung unrentabel waren (und sich zu wertvollen Lebensräumen für die Tier- und Pflanzenwelt entwickeln konnten). Ein ähnliches Beispiel findet sich in den heimischen Wäldern und Forsten: Der Markt für Brennholz ist in jüngster Zeit deutlich gewachsen und es lohnt sich, auch krummes und schwaches Holz zu ernten, das früher im Wald verblieb und dort als „Totholz“ einen wichtigen Lebensraum für zahlreiche Pilze und Tiere bot. Als letztes Beispiel sei die bereits erwähnte Aufforstung und Schaffung neuer Wälder zu nennen. Werden statt heimischer Arten, schnellwachsende exotische Baumarten angebaut, so sind zwar CO2 Einsparungen gegeben - die Auswirkungen auf die natürlicherweise vorkommende biologische Vielfalt sind jedoch negativ.

 

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 Aktivitäten des Bundesamtes für Naturschutz

 

Eine gute Übersicht über das Thema findet sich auch im Band „Biologische Vielfalt und Klimawandel - Gefahren, Chancen, Handlungsoptionen“, erschienen in der Skriptenreihe des Bundesamtes für Naturschutz ( BfN-Skripten 148, 2006, pdf-Datei (220 KB)). Zahlreiche Inhalte dieser Seiten wurden diesem Band entnommen.


Letzte Änderung: 17.09.2008

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