Biosphärenreservate
Biosphärenreservate sind nach § 25 BNatSchG "einheitlich zu schützende und zu entwickelnde Gebiete, die
- großräumig und für bestimmte Landschaftstypen charakteristisch sind,
- in wesentlichen Teilen ihres Gebiets die Voraussetzungen eines Naturschutzgebiets, im Übrigen überwiegend eines Landschaftsschutzgebiets erfüllen,
- vornehmlich der Erhaltung, Entwicklung oder Wiederherstellung einer durch hergebrachte vielfältige Nutzung geprägten Landschaft und der darin historisch gewachsenen Arten- und Biotopvielfalt, einschließlich Wild- und früherer Kulturformen wirtschaftlich genutzter oder nutzbarer Tier- und Pflanzenarten, dienen und
- beispielhaft der Entwicklung und Erprobung von die Naturgüter besonders schonenden Wirtschaftsweisen dienen."
Viele Bundesländer haben bereits vor dieser rahmenrechtlichen Regelung die Biosphärenreservate in ihre Landesnaturschutzgesetze aufgenommen (MAYERL 2004 1). Gemäß den Leitlinien des internationalen Programms "Der Mensch und die Biosphäre" (
MAB) werden seit 1976 Biosphärenreservate von der UNESCO anerkannt. Das internationale Prädikat "Biosphärenreservat" wird auf der Grundlage des "Statutory Framework of the World Network of Biosphere Reserves" (UNESCO 1995, 1996) verliehen. Ziel der UNESCO-Biosphärenreservate ist es, eine ausgewogene Beziehung zwischen Mensch und Biosphäre zu fördern sowie beispielhaft darzustellen (DEUTSCHES MAB-NATIONALKOMITEE 2004 1). Das weltweite Netz der
UNESCO-Biosphärenreservate setzt sich aus 531
Gebieten in 105 Staaten zusammen (Stand: Februar 2008).
Nach den
Internationalen Leitlinien, pdf-Datei für das Weltnetz haben Biosphärenreservate folgende Funktionen (UNESCO 1996 1):
- Schutz: Beitrag zur Erhaltung von Landschaften, Ökosystemen, Arten und genetischer Vielfalt;
- Entwicklung: Förderung einer wirtschaftlichen und menschlichen Entwicklung, die soziokulturell und ökologisch nachhaltig ist;
- Logistische Unterstützung: Förderung von Demonstrationsobjekten, Umweltbildung und -ausbildung, Forschung und Umweltbeobachtung im Rahmen lokaler, regionaler, nationaler und weltweiter Themen des Schutzes und der nachhaltigen Entwicklung.
Auf der Grundlage dieser Leitlinien wurden für die Anerkennung und Überprüfung von Biosphärenreservaten der UNESCO in Deutschland vom
Deutschen Nationalkomitee nationale
Kriterien entwickelt.
In Deutschland hat die UNESCO bislang
13 Biosphärenreservate anerkannt.
Das Biosphärenreservat Bayerischer Wald hat das UNESCO Prädikat abgegeben, da die vom Nationalkomitee geforderte Einrichtung einer Entwicklungszone nicht umgesetzt werden kann.
Im März 2007 wurde im Saarland das
Biosphärenreservat Bliesgau nach Landesrecht ausgewiesen, im März 2008 das
Biosphärengebiet Schwäbische Alb in Baden-Württemberg. Für beide ist die Anerkennung als UNESCO- Biosphärenreservate beantragt.
Die Gesamtfläche der 13 von der UNESCO anerkannten Biosphärenreservate in Deutschland beträgt 1.725.373 ha, abzüglich der Wasser- und Wattflächen der Nord- und Ostsee entspricht dies 2,9 % der terrestrischen Fläche Deutschlands. Zur Umsetzung der verschiedenen Ziele und Funktionen sind Biosphärenreservate räumlich in
drei Zonen gegliedert. Diese Zonen können aus mehreren Teilflächen bestehen, die in sich ökologisch funktionsfähig sein müssen.
Nach den "Internationalen Leitlinien für das Weltnetz der Biosphärenreservate" soll der Zustand eines jeden Biosphärenreservats in einem zehnjährigen Turnus durch die jeweilige nationale Beratungs- und Koordinierungsstelle (in Deutschland das MAB-Nationalkomitee) überprüft werden (UNESCO 1996 1).
2001 wurden die Biosphärenreservate Mittlere Elbe 2, Bayerischer Wald und Vessertal-Thüringer Wald, 2002 die Biosphärenreservate Schorfheide-Chorin, Berchtesgaden und Spreewald, 2003 die Biosphärenreservate Südost-Rügen, Pfälzerwald und Rhön, 2004/2005 die drei Wattenmeer-Biosphärenreservate, 2006 das Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft und 2007 das länderübergreifende Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe überprüft. 2008 ist im deutsch-französischen Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen die weltweit erste grenzüberschreitende Evaluierung gemäß den internationalen Leitlinien vorgesehen. Diese Evaluierung wird von der UNESCO als beispielhaft für alle grenzüberschreitenden BR-Überprüfungen angesehen.
Das deutsche MAB-Nationalkomitee bescheinigt den 13 deutschen Biosphärenreservaten Fortschritte und effiziente Arbeit. Folgende Optimierungserfordernisse können benannt werden (DEUTSCHES MAB-NATIONALKOMITEE 2004 1):
- Intensivere Kommunikation des Biosphärenreservat-Konzeptes; Stärkung der Identifikation der örtlichen Bevölkerung mit "ihrem" Biosphärenreservat.
- Verstärkte Förderung der nachhaltigen Regionalentwicklung sowie Förderung und Bündelung der Forschung in den Biosphärenreservaten.
Als Modellregionen von Weltrang sind die UNESCO-Biosphärenreservate prädestiniert dafür, die komplexen Beziehungen zwischen dem Menschen und seiner Umwelt länderübergreifend und interdisziplinär zu erforschen. Über die Attraktivität und die Potentiale der deutschen von der UNESCO anerkannten Biosphärenreservate als Gebietskulisse und als Untersuchungsgebiete für eine Vielzahl von aktuellen Forschungsfragen informiert eine neue Broschüre. Sie möchte vor allem bei Forschungseinrichtungen und auch bei Fördermittelgebern Interesse wecken die deutschen Biosphärenreservate als Forschungsgebiete auszuwählen bzw. Fördermittel für Forschung in diese Gebiete zu lenken. Zugleich möchte sie die interessierte Öffentlichkeit über das Thema und die aktuellen Forschungs- und Monitoringprojekte informieren. Die Broschüre ist als Download (siehe rechts unter Neuerscheinung) erhältlich oder kann beim BfN,
Fachgebiet Gebietsschutz/Großschutzgebiete, kostenlos bestellt werden.
Biosphärenreservate eignen sich besonders, um nachhaltige Landnutzungskonzepte sowie regionale Vermarktungsstrukturen für nachhaltig erzeugte Produkte zu etablieren. So trägt z.B. im Biosphärenreservat Rhön die Vermarktung regionaler Produkte wie das Rhönschaf, alte Apfelsorten und das Biosphärenrind zur Erhaltung der artenreichen Kulturlandschaft bei (GEIER 2004 1). Im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin beträgt der Anteil des Ökologischen Landbaus mittlerweile 25 %, im Biosphärenreservat Rhön werden 10,6 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche ökologisch bewirtschaftet (Anteil der ökologisch bewirtschafteten Fläche in Deutschland 2006: 4,9 % (Willer und Yussefi 2007)).
- DEUTSCHES NATIONALKOMITEE FÜR DAS UNESCO PROGRAMM "DER MENSCH UND DIE BIOSPHÄRE" (MAB) (HRSG.) (2007): Kriterien für die Anerkennung und Überprüfung von Biosphärenreservaten der UNESCO in Deutschland. - Bonn (Deutsches Nationalkomitee für das UNESCO-Programm MAB), 66 S.
- DEUTSCHES MAB-NATIONALKOMITEE (Hrsg.) (2004): Voller Leben. - Bonn (Springer Verlag), 314 S.
- GEIER, M. (2004): Vom Rhönschaf bis zum Rhöner Apfel: Regionalvermarktung. In: Deutsches MAB-Nationalkomitee (Hrsg.). Voller Leben. Bonn (Springer-Verlag), 314 S. 146-151.
- MAYERL, D. (2004): Das Netzwerk der Biosphärenreservate in Deutschland. In: Deutsches MAB-Nationalkomitee (Hrsg.). Voller Leben. Bonn (Springer-Verlag), 314 S.
- UNESCO (HRSG.) (1995): Statutory Framework of the World Network of Biosphere Reserves. - UNESCO, Paris.
- UNESCO (Hrsg.) (1996): Biosphärenreservate. Die Sevilla-Strategie und die Internationalen Leitlinien für das Weltnetz. - Bonn (Bundesamt für Naturschutz), 24 S.
- WILLER, HELGA UND YUSSEFI, MINOU, (Hrsg.) (2007) The World of Organic Agriculture - Statistics and Emerging Trends 2007. International Federation of Organic Agriculture Movements (IFOAM), DE-Bonn and Research Institute of Organic Agriculture, FiBL, CH-Frick.
2) Das Biosphärenreservat "Mittlere Elbe", gegründet 1979, ist heute Teil des länderübergreifenden Biosphärenreservats "Flusslandschaft Elbe".


