Bundesamt für Naturschutz

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Nationalparke

Nationalparke repräsentieren in Deutschland ein nationales Naturerbe. Sie sind gemäß § 24 BNatSchG "einheitlich zu schützende Gebiete, die

  1. großräumig und von besonderer Eigenart sind,
  2. in einem überwiegenden Teil ihres Gebiets die Voraussetzungen eines Naturschutzgebiets erfüllen und
  3. sich in einem überwiegenden Teil ihres Gebiets in einem vom Menschen nicht oder wenig beeinflussten Zustand befinden oder geeignet sind, sich in einen Zustand zu entwickeln oder in einen Zustand entwickelt zu werden, der einen möglichst ungestörten Ablauf der Naturvorgänge in ihrer natürlichen Dynamik gewährleistet."

Soweit es der Schutzzweck erlaubt, sollen Nationalparke auch der wissenschaftlichen Umweltbeobachtung, der naturkundlichen Bildung und dem Naturerlebnis der Bevölkerung dienen. Wirtschaftliche Nutzungen der natürlichen Ressourcen durch Land-, Forst-, Wasserwirtschaft, Jagd oder Fischerei sind folglich weitgehend auszuschließen bzw. nur unter strikten Vorgaben der Naturschutzbehörden möglich. Nationalparkregionen stehen bei den Deutschen hoch im Kurs und tragen nachweislich zum Tourismusaufkommen bei. Die Mehrzahl von Befragten akzeptiert dabei Einschränkungen in der Bewegungsfreiheit in sensiblen Gebieten.

Die Ausweisung von Nationalparken erfolgt durch die Bundesländer im Benehmen mit dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und dem Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen [BNatSchG § 22, Abs. (1) und (4)].

Derzeit gibt es in Deutschland 14 Nationalparke mit einer Gesamtfläche von 962.146 ha.

Nationalparke in Deutschland (Stand: Dezember 2007)
Nationalpark
Gründungs- jahr
Gesamtfläche [ha]
vorrangig geschützte Lebensräume
Bayerischer Wald (BY) 1970 24.217 Buchen-Bergmischwälder mit Tanne, Hochlagen-Fichtenwälder, Moore, Bergbäche, Blockhalden
Berchtesgaden (BY) 1978 20.804 Alpine Felsschuttfluren, Rasengesellschaften und Latschen-Gebüsche, subalpine, montane und submontane Wälder, Almweiden, Seen
Schleswig- Holsteinisches Wattenmeer (SH) 1985 441.500
davon ca. 97,7% Wasserfläche*
Wattenmeerökosysteme, Salzwiesen des Vorlandes, Sandbänke und Dünen
Niedersächsisches Wattenmeer (NI) 1986 277.708
davon ca. 91,8% Wasserfläche*
Wattenmeerökosysteme, Salzwiesen und Dünen der Ostfriesischen Inseln
Hamburgisches Wattenmeer (HH) 1990 13.750
davon ca. 97,1% Wasserfläche*
Wattenmeer im Mündungsgebiet der Elbe mit starkem Gezeiten- und Brackwassereinfluss
Jasmund (MV) 1990 3.003
davon ca. 22% Wasserfläche
Buchenwälder auf Kreidestandorten, Moore, Kreidesteilküste, küstennahe Ostsee
Harz (ST/NI) 1990/1994 24.759 Hochlagen-Fichtenwälder, Buchenwälder, Moore, Bergwiesen, Blockhalden und Felsformationen, Fließgewässer
Sächsische Schweiz (SN) 1990 9.350 Sandsteinfelsen, submontane wärme- und trockenheitsliebende Wälder, Schlucht- und Schatthangwälder
Müritz- Nationalpark (MV) 1990 32.200 Kiefern- und Buchenwälder, Erlen- und Birkenbruch, Seen, Röhrichte, Moore
Vorpommersche Boddenlandschaft (MV) 1990 80.500
davon ca. 84% Wasserfläche*
Boddengewässer, Salzwiesen, Dünen und Röhrichte, Kiefern- und Buchenwälder, Trockenrasen
Unteres Odertal (BB) 1995 10.418 Flussauenlandschaft, Altarme und -wasser, Ried- und Röhrichtbestände, Feuchtgrünland, Hangwälder, Steppenrasen
Hainich (TH) 1997 7.513 Laubmisch- und Buchenwälder mittlerer und reicherer Standorte in unterschiedlichen Sukzessionsstadien
Eifel (NW) 2004 10.700 Atlantisch geprägte, bodensaure Buchenmischwälder (kollin bis submontan), Fichtenforste, Magerweiden, Felsen, Urft-Stausee
Kellerwald-Edersee (HE) 2004 5.724 Submontane, bodensaure Buchenwälder, felsig-trockene Steilhänge, Waldwiesen

Gesamtfläche mit Nord- und Ostseeflächen: 962.146 ha
Gesamtfläche ohne Nord- und Ostseeflächen: 194.304 ha (ca. 0,54 % des Bundesgebietes)

*) betrifft nur den Wasseranteil, der nicht zur statistisch erfassten Landfläche gehört



Bezogen auf die terrestrische Fläche Deutschlands entspricht die Gesamtfläche der Nationalparke, bei der die marinen Gebiete unberücksichtigt bleiben, einem Flächenanteil von 0,54 % des Bundesgebietes. Unter den großflächigen Bundesländern verfügen Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz noch über keinen Nationalpark.

Die meisten der bestehenden deutschen Nationalparke sind derzeit noch "Entwicklungs-Nationalparke", d.h. sie erfüllen erst in Teilen die Kriterien für eine großflächige, ungestörte Naturentwicklung. Durch weitere geeignete, in Managementplänen festgelegte Steuerungsmaßnahmen sollen innerhalb von 20 bis 30 Jahren die Voraussetzungen geschaffen werden, damit künftig in einem überwiegenden Flächenanteil der Gebiete den natürlichen und dynamischen Abläufen in der Natur Vorrang eingeräumt werden kann.

Zonierung der deutschen Nationalparke (Stand: Mai 2008)
Nationalpark
Kernzone (I)
Entwicklungs- (II a), Pflegezone (II b)
Erholungszone
Hamburgisches Wattenmeer 91,5% 8,5% -
Jasmund 86,6% 13,4% -
Kellerwald-Edersee ca. 80,0% ca. 20,0% -
Berchtesgaden 66,6% 9,9% 23,5%
Niedersächsisches Wattenmeer 60,8% 38,6% 0,6%
Bayerischer Wald 45,0% 53,5% 1,5%
Harz 41,1% 58,5% 0,4%
Sächsische Schweiz 37,3% 57,6% 5,1%
Schleswig- Holsteinisches Wattenmeer 36,0% 64,0% -
Eifel 82,0%* 18,0% -
Hainich 29,0% 71,0%** -
Müritz- Nationalpark 29,0% 71,0% *** -
Vorpommersche Boddenlandschaft 17,8% 82,2%**** -
Unteres Odertal 50,1%***** 49,9% -

*) davon 33 % ohne Maßnahmen, 49 % zunächst noch mit kurz- bis mittelfristigen Maßnahmen
**) davon bereits 77 % nutzungsfrei, so dass insgesamt 87 % des NLP nutzungsfrei sind
***) davon bereits 42 % nutzungsfrei, so dass insgesamt 59 % des NLP nutzungsfrei sind
****) davon bereits 25 % nutzungsfrei, so dass insgesamt 38,2 % des NLP nutzungsfrei sind
*****) davon 15,2 % nutzungsfrei



Durch die Novellierung des BNatSchG Anfang 2002 wurde die Ausweisung von sogenannten "Entwicklungs-Nationalparken" gesetzlich abgesichert. Dadurch wird die Ausweisung neuer Nationalparke in Deutschland erleichtert.

Nach den internationalen Management-Kategorien der IUCN ist ein Nationalpark ein Schutzgebiet, das hauptsächlich zum Schutz von Ökosystemen und zu Erholungszwecken etabliert wird (Kategorie II). Es soll die ökologische Unversehrtheit eines oder mehrerer Ökosysteme sichern, diesem Ziel abträgliche Nutzungen ausschließen und Naturerfahrungs-, Forschungs-, Bildungs- und Erholungsangebote fördern.

Um die internationalen Richtlinien der IUCN zu erfüllen, müssen mindestens drei Viertel der Fläche eines Schutzgebietes seinem Hauptziel entsprechend verwaltet werden. Das bedeutet nach EUROPARC und IUCN für Nationalparke, dass sie auf 75% ihrer Fläche einem weitgehend naturnahen Zustand entsprechen müssen und keiner dem Schutzzweck entgegenstehenden Nutzung unterliegen dürfen. Das Gebiet muss außerdem großflächig genug sein, um eines oder mehrere vollständige Ökosysteme zu umfassen. Für Nationalparke in Deutschland wird eine Mindestgröße von 10.000 ha empfohlen.

Im Januar 2004 wurden die Nationalparke Eifel (NW) und Kellerwald-Edersee (HE) neu ausgewiesen. Bei diesen beiden Gebieten handelt es sich überwiegend um Waldökosysteme, die bisher im Nationalparksystem Deutschlands unterrepräsentiert waren. Die Ausweisung des Nationalparks Eifel trägt insbesondere im atlantischen Bereich zum Lückenschluss im bundesweiten Großschutzgebietssystem bei. Ein fachliches Ziel ist der Schutz bzw. die Wiederherstellung intakter Lebensräume für Luchs, Wildkatze, Biber und verschiedene Wald-Fledermausarten. Im Nationalpark Kellerwald-Edersee mit seinen geschlossenen Buchenwäldern wird es möglich sein, schon kurzfristig ca. drei Viertel der Fläche der natürlichen Entwicklung zu überlassen.

Die beiden Nationalparke Harz in Niedersachsen und Hochharz in Sachsen-Anhalt sind seit dem 01. Januar 2006 als "Nationalpark Harz" vereinigt.

Nach wie vor existieren bis heute noch keine national verbindlichen Qualitätskriterien, die den internationalen Richtlinien (z.B. IUCN-Kriterium II) entsprechen. Dies führt u.a. dazu, dass die Zonierung in den verschiedenen Nationalparken sowohl in ihrer Bezeichnung als auch in der Anzahl variiert. Nutzungen und Beeinträchtigungen durch Küstenschutz, Fischerei, Forstwirtschaft, Jagd, Freizeitnutzung sowie z. T. Verkehr und Landwirtschaft erschweren es in einem so dicht besiedelten Land wie der Bundesrepublik Deutschland, die weltweit geltenden Standards einzuhalten und somit die definierten Ziele zu erreichen.

In Deutschland gibt es noch weitere Gebiete, die sich als Nationalpark eignen, z.B. mit Blick auf Deutschlands Verantwortung für den Schutz von Buchenwaldökosystemen. Durch die zukünftige Nutzungsaufgabe von großflächigen militärischen Übungsplätzen eröffnen sich hier zusätzliche Möglichkeiten.

Europarc-Deutschland (2007): Nationalparks in Deutschland. - 40 S. (auch in Englisch verfügbar)

Zeitschrift "Nationalpark" - erscheint 4 x jährlich. ISSN 0342 - 9806


Letzte Änderung: 15.05.2008

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