Bundesamt für Naturschutz

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Humanwissenschaftliche Grundlagen


Historische Analysen

Baum

Argumente für die gesellschaftliche Vereinbarung Naturschutz haben Geschichte. Stand bis in die 1950er Jahre der Gedanke des Heimatschutzes im Vordergrund, so wurde dieser seit den 1960er Jahren verlagert auf einen vorzugsweise ökologisch begründeten Arten- und Biotopschutz als Naturschutz im engeren Sinne. Gerade das Wissen um die "Ideengeschichte" des Naturschutzes, um ethische, kulturelle und ökonomische Argumentationen in der Gesellschaft trägt dazu bei, Naturschutzhandeln und Naturschutzpolitik besser gestalten sowie Naturschutzstrategien erfolgreicher planen und umsetzen zu können.

Jubiläumsschrift zu 100 Jahren Naturschutz als Staatsaufgabe

Im Jahr 2006 hat der staatliche Naturschutz anlässlich der Gründung der ersten amtlichen Einrichtung für Naturschutz im Jahr 1906 (Staatliche Stelle für Naturdenkmalpflege in Preußen mit Sitz in Danzig) sein hundertjähriges Jubiläum begangen. In diesem Zusammenhang wurde ein Forschungsprojekt durchgeführt, das die Geschichte des amtlichen Naturschutzes im historischen Gesellschaftskontext kritisch aufarbeitet. Pünktlich zum Jubiläumstermin am 22. Oktober 2006 ist die zugehörige Jubiläumsschrift mit dem Titel  "Natur und Staat. Staatlicher Naturschutz in Deutschland 1906 - 2006" erschienen.

Wanderausstellung "Naturschutz macht Staat - Staat macht Naturschutz"

Parallel zur Jubiläumsschrift wurde von der Stiftung Naturschutzgeschichte in Königswinter eine Wanderausstellung erarbeitet und zum Deutschen Naturschutztag Ende Mai 2006 in Bonn erstmalig präsentiert. Sie trägt den Titel "1906 - 2006. Naturschutz macht Staat - Staat macht Naturschutz. Von der Staatlichen Stelle für Naturdenkmalpflege in Preußen zum Bundesamt für Naturschutz". Die Ausstellung dokumentiert Erfolge und Niederlagen des staatlichen, aber auch des verbandlichen und ehrenamtlichen Naturschutzes in anschaulicher Weise und befindet sich bis im Jahr 2008 auf Wanderschaft durch die Bundesrepublik. Weitere Informationen zur Wanderausstellung können dem zugehörigen  Faltblatt entnommen werden. Anfragen bezüglich der Ausleihe nimmt die  Stiftung Naturschutzgeschichte gerne entgegen.

Symposium zu Naturschutz und Gewässerschutz in historischer Dimension

Eine weitere Veranstaltung mit historischem Bezug war das zum Tag des Wassers (22. März) veranstaltete Symposium "Naturschutz und Gewässerschutz - Gegenwarts- und Zukunftsfragen in historischer Dimension" ( Programm). Ziel war es, die Beziehungen zwischen Gewässerschutz und Naturschutz von der Vergangenheit bis in die Gegenwart zu verfolgen, um aus den gewonnenen Erkenntnissen und Erfahrungen Schlüsse für aktuelle und zukünftige Schutzstrategien (Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie) ziehen zu können. Die Ergebnisse des Symposiums wurden Anfang 2007 als  Tagungsband publiziert.

Studie "Naturschutzbegründungen"

In einer vom BfN geförderten Studie wurde die Ideengeschichte des Naturschutzes mit seinen ethischen, ökonomischen und politischen Argumentationslinien zusammengestellt und für die Akteure des Naturschutzes aufbereitet. Sie trägt den Titel  "Naturschutzbegründungen" (2003).

Kongress "Naturschutz und Nationalsozialismus"

Zur Aufbereitung historischer Naturschutzbezüge gehört auch die Rolle des Naturschutzes zur Zeit des Nationalsozialismus. Dazu wurde im Juli 2002 in Berlin der internationale Fachkongress "Naturschutz und Nationalsozialismus - Erblast für den Naturschutz im demokratischen Rechtsstaat?" unter der Schirmherrschaft des Bundesministers für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit durchgeführt. Ausrichter war die Stiftung Naturschutzgeschichte, Königswinter in Zusammenarbeit mit der Universität Bielefeld, Fakultät für Geschichtswissenschaft und Philosophie (Prof. Dr. Joachim Radkau). Die Ergebnisse der Tagung wurden in dem Band  "Naturschutz und Nationalsozialismus" (2003) publiziert.


Humanwissenschaftliche Studien

Berggipfel

Anforderungen der Gesellschaft und politische Entwicklungen führen dazu, dass im Naturschutzkontext zunehmend humanwissenschaftliche Erkenntnisse an Bedeutung gewinnen. Beispielsweise unterstützen gesellschafts- und kommunikationswissenschaftliche Erkenntnisse und Erfahrungen in hohem Maße die aktuellen Kooperationsprozesse des Naturschutzes mit den Handlungsfeldern Land- und Forstwirtschaft, Regionalentwicklung, Tourismus, Verkehr, Verbraucherschutz, Gesundheitsschutz, Wasserwirtschaft u.a.

Das BfN hat in diversen Publikationen aktuelle naturschutzrelevante Daten, Erkenntnisse und Informationen aus Soziologie, Psychologie, Politologie, Pädagogik und Ökonomie zusammengetragen. Zu den Schwerpunktthemen gehören dabei insbesondere die Aspekte Lebensstiltypen, Naturbilder in der Gesellschaft, Kommunikationsprozesse und Kulturbezüge.

 Zukunftsfaktor Natur - Blickpunkt Mensch (2003) (Kurzbeschreibung und Bestellmöglichkeit)

Naturschutz und Gesundheitsschutz,
 BfN-Skripten 93, 2003 (pdf-Datei), 8,7 MB!! |  zip-Datei
 Zusammenfassung des Forschungsvorhabens, pdf-Datei

 Naturschutz und gesellschaftliches Handeln (2002) (Kurzbeschreibung und Bestellmöglichkeit)

Ziele, Möglichkeiten und Probleme eines gesellschaftlichen Monitorings (MAB-Mitteilungen 42, 1998),  Inhaltsverzeichnis, pdf-Datei
Zu bestellen bei:  Natur-und-Gesellschaft@bfn.de


Gender Mainstreaming

Naturschutz ist eine gesellschaftliche Vereinbarung, die Frauen und Männer gleichermaßen betrifft. Frauen und Männer, Jungen und Mädchen haben einen verschiedenen Zugang zu Natur, sie sind von Naturschutzmaßnahmen anders betroffen und wollen unterschiedlich angesprochen werden - dies zeigen aktuelle Forschungsarbeiten.

Gender Mainstreaming ist eine Strategie, die die Integration von Genderaspekten und -perspektiven in alle (Politik-)Bereiche, auch den Naturschutz, ermöglicht. Sie hat zum Ziel, die Gleichstellung der Geschlechter zu verbessern und somit mehr Geschlechtergerechtigkeit zu verwirklichen. Um dieses Ziel zu erreichen, ist sowohl eine Auseinandersetzung mit der strategischen Seite - Wie kann Gender Mainstreaming in Institutionen und Organisationen der Naturschutzpolitik, -verwaltung und -praxis integriert werden? - als auch mit der fachlich-inhaltlichen Seite - Welche Themen- und Handlungsfelder des Naturschutzes sind genderrelevant? Welche Genderaspekte und -perspektiven finden sich in einzelnen naturschutzrelevanten Praxisfeldern? wichtig.

Die vorliegende Veröffentlichung basiert auf einer Expertinnen- und Expertentagung zum Themenfeld Gender Mainstreaming und Naturschutz, die im November 2003 in Bonn stattgefunden hat. Die Beiträge der Veranstaltungen zeigen auf, welche Wege bei der Umsetzung von Gender Mainstreaming eingeschlagen werden können. Vorgestellt und diskutiert werden neben Fragen der Organisationsentwicklung und erprobten Umsetzungsinstrumenten auch praktische Erfahrungen. Diese veranschaulichen, welche Voraussetzungen zu schaffen sind, damit ein Umsetzungsprozess optimiert und verstetigt werden kann.

Darüber hinaus wird für die Handlungsfelder "naturschutzbezogene Öffentlichkeitsarbeit", "alltägliche Naturschutzarbeit im Nationalpark", "Biodiversität im Land- und Gartenbau", "Waldschutz und -nutzung" sowie "Regionalentwicklung" exemplarisch aufgezeigt, wie die fachlichinhaltliche Seite weiter entwickelt werden kann.

In dem Tagungsband wird deutlich, dass für einen Naturschutz, der uns einer nachhaltigen und geschlechtergerechten Entwicklung näher bringt, die unterschiedlichen Lebenssituationen, Sichtweisen und Stärken von Frauen und Männern in den Blick zu nehmen und entsprechende Naturschutzstrategien und -maßnahmen zu entwickeln sind. Gender Mainstreaming bietet die Chance, neue Potenziale zu erschließen, um Naturschutz insgesamt erfolgreicher zu gestalten.

 Gender Mainstreaming im Naturschutz (2004) (Kurzbeschreibung und Bestellmöglichkeit)

 


Letzte Änderung: 17.04.2007

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