Bundesamt für Naturschutz

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Projektsteckbrief UNESCO-Weltnaturerbe in Deutschland


Umsetzung der Welterbekonvention in Deutschland

Aktivitäten im Bereich Naturerbe


Hintergrund:

Deutschland als Vertragsstaat des  UNESCO-Welterbeübereinkommens hat sich verpflichtet, Natur- und Kulturgüter von "herausragendem, universellen Wert" zu erhalten. Nach Art. 3 des Übereinkommens haben die Vertragsstaaten ihre potenziellen Welterbestätten zu identifizieren. Im Rahmen der periodischen Berichterstattung über den Stand der Umsetzung des Welterbeübereinkommens in Deutschland (entsprechend Art. 29 des Welterbeübereinkommens) sind hinsichtlich der Naturwerte in Deutschland Defizite festgestellt worden. Dies spiegelt sich insbesondere in der Ungleichgewichtung von Kulturstätten und Naturstätten (nur eine Naturstätte und zwei Kulturlandschaften bei insgesamt 32 Welterbestätten) in der bestehenden deutschen Welterbeliste wider. Aber auch in der Liste für zukünftige Nominierungen, der sog. Tentativ-Liste, sind mit dem Wattenmeer und (seit 2007) einem deutschen Buchenwaldcluster nur zwei Naturstätten enthalten.


Das Projekt:

Im Rahmen der Umsetzung des Welterbeübereinkommens im Bereich Naturerbe berät das BfN das BMU und unterstützt die Länder bei der Vorbereitung von Nominierungen von Gebieten für die UNESCO-Welterbeliste. Dazu werden verschiedene F+E-Vorhaben durchgeführt.


Identifizierung potenzieller deutscher Naturerbenominierungen:

Urvogel Archeopteryx/Potenzielle Weltnaturebestätte Solnhofer Plattenkalke (Bildautor: Naturpark Altmühltal)

Urvogel Archeopteryx/Potenzielle Weltnaturebestätte Solnhofer Plattenkalke (Bildautor: Naturpark Altmühltal)

Ziel eines ersten Forschungs- und Entwicklungvorhabens im Jahr 2004 war es, für eine Nominierung als UNESCO-Welterbestätte potenziell geeignete Naturstätten und organisch gewachsene Kulturlandschaften in Deutschland zu identifizieren. Damit kommt Deutschland seiner Verpflichtung zur Identifizierung von Naturwerten, die potenziell für eine Nominierung als UNESCO-Welterbestätte geeignet sind, nach. So genannte "serielle Nominierungen" (Cluster) und "grenzüberschreitende Nominierungen" sollten dabei mit in Erwägung gezogen werden, da in Europa viele Naturwerte erst im internationalen Kontext ausreichend gewürdigt werden können. Mittels einer vergleichenden Bewertung wurden die potenziellen Erfolgsaussichten der Vorschläge bewertet. Nicht behandelt wurde das deutsche Wattenmeer, da es zum Zeitpunkt der Studie bereits auf der deutschen Anmeldeliste verzeichnet war. Aus dieser Studie ergab sich unter anderem ein Potenzial für die Nominierung deutscher Buchenwälder als Weltnaturerbe. Dieses wurde aufgegriffen und einer im Rahmen eines F+E-Vorhabens erstellten Machbarkeitsstudie weiter untersucht.


Nominierung deutscher Buchenwälder als Naturerbe:

Nationalpark Jasmund/Rügen (Bildautor: B. Engels)

Buchenwälder im Nationalpark Jasmund/Rügen (Bildautor: B. Engels)

Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen bereiten derzeit mit Unterstützung des BMU die UNESCO-Weltnaturerbenominierung eines deutschen Buchenwaldclusters vor. Bei dem Cluster handelt es sich um ausgewählte Gebiete der Nationalparke Kellerwald-Edersee in Hessen, des Nationalparks Hainich in Thüringen und der Nationalparke Jasmund und Müritz in Mecklenburg-Vorpommern sowie um das Totalreservat Grumsiner Forst im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin in Brandenburg. Die Entscheidung für die Nominierung basiert auf den Ergebnissen der genannten Machbarkeitsstudie. Diese empfiehlt die Nominierung der o. g. Gebiete als transnationale Nominierung mit der Slowakei und der Ukraine. Beide Staaten hatten bereits im vergangenen Jahr eine gemeinsame Nominierung von Buchenurwäldern der Karpaten als Weltnaturerbe bei der UNESCO eingereicht, deren Einschreibung in die Welterbeliste vom Welterbekomitee im Juli 2007 beschlossen wurde. Die slowakisch-ukrainische Buchenwald-Weltnaturerbestätte soll durch das geplante deutsche Buchenwaldcluster erweitert werden. In diesem Zusammenhang hatte das BMU die Umweltministerien der Slowakei und der Ukraine sowie Vertreter der Länder und Experten zu einem trilateralen Treffen Anfang Mai 2007 nach Deutschland eingeladen. Bei dem Treffen konnte eine vertiefte trilaterale Zusammenarbeit im Bereich UNESCO Weltnaturerbe vereinbart werden, in deren Mittelpunkt die angestrebte trinationale Buchenwald-Welterbestätte steht.

Mit der Nominierung deutscher Buchenwälder kommt Deutschland seiner besonderen Verpflichtung für den Schutz der Buchenwälder in Europa nach.

Mehr Informationen unter:  Webseite Weltnaturerbe Buchenwälder


Nominierung des Wattenmeeres:

Auf der 10. Trilateralen Regierungskonferenz zum Schutz des Wattenmeeres (Schiermonnikoog/Niederlande, November 2005) wurde eine gemeinsame deutsch-niederländische Anmeldung des Wattenmeeres als UNESCO Weltnaturerbe beschlossen. Diesem Beschluss waren regionale Konsultationen vorausgegangen. Eine bilaterale Projektgruppe hat das Nomierungsdossier vorbereitet, das zum 1. Februar 2008 beim Welterbezentrum in Paris eingereicht werden soll. Die Arbeit wird durch das  Trilaterale Wattenmeersekretariat unterstützt. Mit der Nominierung des Wattenmeers als Weltnaturerbe wollen die Niederlande und Deutschland ihrer Verpflichtung aus dem Welterbeübereinkommen nachkommen und mit dem Wattenmeer ein bedeutendes Ökosystem als Weltnaturerbe für zukünftige Generationen schützen.


Aktivitäten im Rahmen der Alpenkonvention:

Nachdem das Welterbekomitee in den vergangenen Jahren mehrfach Nominierungen aus dem Alpenraum abgelehnt hat und immer wieder stärkere Zusammenarbeit der Alpenstaaten bei der Vorbereitung von Nominierungen fordert, haben die Alpenanrainer Anfang 2007 im Rahmen der Alpenkonvention eine Arbeitsgruppe gegründet. Hauptaufgabe der Arbeitsgruppe ist die bessere Abstimmung und Zusammenarbeit bei Welterbenominierungen aus dem Alpenraum. Dies soll dazu beitragen potenzielle Welterbestätten in den Alpen zu identifizieren und mit qualitativ hochwertigen Nominierungen, eine angemessene Repräsentation der Alpen in der Welterbeliste zu erreichen. Ein möglicher Beitrag Deutschlands zu einer seriellen Nominierung könnte dabei das Gebiet des Nationalparks Berchtesgaden leisten. Die Arbeitsgruppe wird dem Ständigen Ausschuss der Alpenkonvention zur X. Alpenkonferenz einen Bericht vorlegen.


Publikationen:

Plachter, H., Kruse, A. und Kruckenberg, H. (2006): Screening potenzieller deutscher Naturwerte für das UNESCO-Welterbeübereinkommen.
 BfN-Skripten 177, 2006, pdf-Datei (2,9 MB)


Projektinformation:

Laufzeit: seit 2003

Programm: Forschungs- und Entwicklungsvorhaben

Projektpartner: Prof. Dr. Harald Plachter (Universität Marburg), Dr. Alexandra Kruse und Dr. Helmut Kruckenberg (Büro für Landschaft & Service), Buchenwaldinstitut e.V.


Projektmanagement im BfN:

Fachgebiet II 1.3 Internationaler Naturschutz
Kontakt: Barbara Engels ( barbara.engels@bfn.de)



Letzte Änderung: 27.12.2007

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