Monitoring von Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert
High Nature Value Farmland-Indikator
Hintergrund

Foto: C. Hünig
Der High Nature Value Farmland-Indikator (HNV Farmland-Indikator) ist einer von 35 EU-Indikatoren zur Integration von Umweltbelangen in die gemeinsame Agrarpolitik und einer von 3 Biodiversitäts-Indikatoren innerhalb des Schwerpunkts 2 (Verbesserung der Umwelt und der Landschaft) im Set der zielorientierten Basisindikatoren der ELER-Durchführungs-Verordnung (
VO Nr. 1974/2006/EG, Anhang VIII). Die für den HNV Farmland-Indikator erfassten Daten können zusätzlich für den Wirkungsindikator (Pflichtindikator 5) und für verschiedene Auswertungen im Zusammenhang mit Landwirtschaft und Naturschutz genutzt werden. Der Indikator ist zudem Teil des
Indikatorensets der nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt.
Der HNV Farmland-Indikator muss als so genannter Pflichtindikator gemäß
VO 1698/2005/EG (ELER-Verordnung) von allen Mitgliedstaaten gegenüber der EU bedient werden und ist zusätzlich auf Bundesebene im Rahmen der Berichtspflichten für den Nationalen Strategieplan darzustellen. BMELV, BMU und die Bundesländer verständigten sich darüber, dass der HNV Farmland-Basisindikator vom BfN entwickelt und koordiniert werden soll.
Zur Identifizierung der HNV Farmland-Kulisse auf europäischer Ebene wurden CORINE Landcover-Daten mit agroökonomischen Daten, Natura 2000-Informationen sowie Important Bird Area-Daten verschnitten. Die deutsche Situation wird - wie in anderen Mitgliedstaaten auch - mit der aktuellen Bemessung des Indikators auf EU-Ebene allerdings nicht adäquat dargestellt, da u.a. kleinteilig strukturierte Flächen (<25 ha) sowie die flächenmäßig große Anteile einnehmenden naturnahen Grünlandflächen nicht berücksichtigt werden (vgl.
Paracchini et al. 2008). Für Deutschland musste deshalb ein eigener Ansatz zur Ausgestaltung des Basisindikators entwickelt werden.
Entwicklung und Umsetzung

Foto: C. Hünig
In einem ersten Forschungs- und Entwicklungsvorhaben (FuE-Vorhaben FKZ 3507 80 800), welches sich mit der Entwicklung des HNV Farmland - Indikators in Deutschland beschäftigte, wurden zunächst bundesweit verfügbare Daten recherchiert (Biotopdaten, Biotoptypenlisten) und verglichen (Biotop & FFH-LRT-Daten mit notwendigen HNV-Daten). Es konnte festgestellt werden, dass die vorhandenen Daten als Grundlage für die Errechnung des Indikators in Deutschland aufgrund ihrer Heterogenität und Unvollständigkeit nicht verwendet werden können. Die Daten sind zum einen lückig - relevante Typen wie z. B. artenreiche Ackerflächen und Streuobstwiesen werden unzureichend erfasst - zum anderen erfolgt die Fortschreibung der Daten nur unregelmäßig und erlauben somit keine regelmäßige Aktualisierung des Indikatorwertes. Deshalb wurde im Rahmen des o.g. FuE-Vorhabens für Deutschland ein eigener Ansatz zur Erfassung und zum Monitoring von Landwirtschaftsflächen entwickelt.

Verteilung der Stichprobenflächen für die HNV-Erhebung in Deutschland (Quelle: BfN, DDA, PAN, StaBA 2011)
Länder und Bund haben sich auf ein einheitliches Verfahren bei der Umsetzung des Indikators geeinigt. Die Daten für den HNV Farmland-Indikator werden über die Kartierungen auf deutschlandweit rund 900 Stichprobenflächen erhoben, die 1 x 1 km² groß sind und über 5 % Offenlandanteil aufweisen. Hierfür wird das Stichprobendesign des
Monitorings häufiger Brutvogelarten in Deutschland, welches seit langem vom DDA verwendet wird, genutzt.
Das BfN entwickelte in Abstimmung mit den Bundesländern das Erhebungskonzept für die Erstkartierung, welche 2009 von Bund und Ländern gemeinsam durchgeführt und vom BfN koordiniert wurde (
FuE-Vorhaben FKZ 3508 89 0400, pdf-Datei, 6,2 MB). In einer Erfassungsanleitung sind die einzelnen Offenlandstrukturen, die zur Bildung des Indikatorwertes herangezogen werden, wie z. B. Grünland, Reb- und Ackerland sowie Landschaftselemente, definiert. Zur Erfassung von Grünland und Ackerland wurden Kennartenlisten zur Wertermittlung entwickelt, wobei das Grünland, aufgrund der in Deutschland unterschiedlichen Ausprägung, in verschiedene Regionen untergliedert wurde. Die Flächen der FFH-LRT und gesetzlich geschützte Biotope werden per se einbezogen, wenn es sich bei diesen um im Agrarbereich befindliche Offenlandlebensräume handelt.
Die Erfassung erfolgte nach einem Wertstufensystem.
Wertstufen für HNV Farmland Elemente in Deutschland
HNV I – äußerst hoher Naturwert
HNV II – sehr hoher Naturwert
HNV III – mäßig hoher Naturwert
Durch die Länder wurde die Kartierung der Stichprobenflächen 2009, in Schleswig-Holstein in 2010, an erfahrene Kartierbüros vergeben. Vor der Ersterfassung konnten alle Kartierenden an einer Schulung zur Einschätzung des Offenlandes nach den Wertstufen teilnehmen, womit eine bundesweit einheitliche Bewertung erreicht wurde. Die Erfassung erfolgte im Zeitraum von Mai bis Ende Juli. Alle Daten wurden digitalisiert, zentral gesammelt, einer Qualitätskontrolle unterzogen, um daran anschließend den
HNV-Wert hochzurechnen (pdf-Datei, 2,2,MB).
Ergebnis Ersterhebung und Weiterführung
Für Deutschland wurde ein HNV Farmland Anteil an der Landwirtschaftsfläche von 13,0 %* ermittelt.
Diese verteilen sich auf die Wertstufen wie folgt:
I - äußerst hoher Naturwert 2,1 %*
II - sehr hoher Naturwert 4,5 %*
III - mäßig hoher Naturwert 6,3 %*
(* Differenzen resultieren aus Rundung)

Foto: Armin Benzler
Die zukünftigen Erhebungen werden von den Ländern in Eigenregie durchgeführt. Einige Länder werden jedes Jahr ein Viertel der Stichprobenflächen kartieren, andere alle 2 Jahre die Hälfte, so dass nach 4 Jahren die Kompletterfassung auf Bundes- und Länderebene vorliegt.
Durch die regelmäßigen Erhebungen auf den Stichprobenflächen ist es zukünftig möglich ein deutschlandweites Monitoring von Offenlandschaften zu etablieren, bei welchem neben besonders wertvollen Bereichen auch Potenzialflächen (Flächen, auf denen eine Verbesserung des HNV-Wertes möglich ist.) betrachtet werden können.
Alle weiteren Schritte werden von einem jährlich zusammentreffenden Bund-Länder Fachgremium begleitet, um alle auftretenden methodischen Probleme diskutieren zu können und Erfahrungen auszutauschen. Die Koordination, zu der auch die Qualitätssicherung u.ä. gehören, wird auch weiterhin vom BfN wahrgenommen. Das BfN führt die Länderdaten zusammen und berechnet jeweils im Anschluss an die Erhebungen den Bundeswert des Indikators.

