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Vogelmonitoring in Deutschland


Kraniche

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In Deutschland gibt es viele, vorwiegend ehrenamtliche Erfassungsprogramme von Vogelarten, auf denen basierend ein naturschutzfachlich weiterentwickeltes überregionales Monitoringprogramm erstellt wurde. Grundlegend für das Monitoring sind einerseits das  Konzept für ein naturschutzorientiertes Tierartenmonitoring - am Beispiel der Vogelfauna (Stickroth et al. 2003) und andererseits die Steckbyer Grundsätze und Ziele zum Vogelmonitoring in Deutschland (Gedeon et al. 2003). Die existierenden Monitoringprogramme wurden in den letzten vier Jahren methodisch und konzeptionell überarbeitet.

Der  Statusbericht "Vögel in Deutschland 2007" stellt die wichtigsten Veränderungen in der Vogelwelt und ihre Ursachen dar. Seit 1990 sind von den im Bericht dargestellten 64 häufigen Brutvogelarten 36% (das sind 23 Arten) in ihren Beständen zurückgegangen. Besonders stark sind Bodenbrüter der Agrarlandschaft betroffen. Um diesem Trend entgegenzutreten, ist ein Umsteuern bei den Agrarsubventionen erforderlich.

Ein vom BfN mit Mitteln des BMU gefördertes  Forschungs- und Entwicklungsvorhaben "Monitoring von Vogelarten in Deutschland" wurde vom  Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) durchgeführt. Der DDA baute in diesem Vorhaben zusammen mit dem Naturschutzbund Deutschland und der Deutschen-Ornithologen Gesellschaft sowie den Vogelschutzwarten der Länder ein bundesweit abgestimmtes Monitoring von Vogelarten auf (Mitschke et al. 2005, Mitschke & Ludwig 2004). Die in diesem Forschungs- und Entwicklungsvorhaben entwickelte Zusammenarbeit zwischen der Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten (LAG-VSW), dem DDA und dem BfN hat sich für die Durchführung des Vogelmonitorings in Deutschland bewährt. Im Oktober 2006 wurde diese Zusammenarbeit durch das  Helgoländer Positionspapier bekräftigt, der Bedarf für die zukünftige Weiterführung der Zusammenarbeit wurde dargelegt.

Seit dem 1. Januar 2008 ist eine Bund-Länder-Verwaltungsvereinbarung zum Vogelmonitoring in Deutschland in Kraft getreten. Die Verwaltungsvereinbarung regelt, dass Bund und Länder gemeinsam die bundesweite Koordination der ehrenamtlichen Vogelmonitoringprogramme, die Datenzusammenführung und -auswertung durch den DDA finanzieren. Ziel ist die langfristige Absicherung des Vogelmonitorings, um die Daten fortlaufend für Naturschutzfragen einsetzen zu können.

Die im Monitoring erhobenen Informationen über Bestandsentwicklung und darüber hinaus Angaben über die Verbreitung, den Rote-Liste-Status, Brut- und Rastbestände sowie Schutzinstrumente sind über das Informationsangebot  "Vögel in Deutschland" des DDA abrufbar.

Folgende Programme des Vogelmonitorings werden derzeit verfolgt: Monitoring häufiger Brutvogelarten; Monitoring gefährdeter und geschützter Brutvogelarten; Monitoring rastender Wasservögel.


Monitoring häufiger Brutvogelarten

Verbreitete und häufige Brutvogelarten gehören zu den besten Indikatoren für die Auswirkungen großräumiger Nutzungen (Land- und Forstwirtschaft) auf die biologische Vielfalt. Der DDA führt seit 1989 ein Monitoringprogramm häufiger Brutvögel durch, welches seit dem Jahr 2004 methodisch optimiert und noch stärker auf Naturschutzfragen zugeschnitten wurde (Mitschke et al. 2005). Bei der Überarbeitung des Monitoringprogrammes wurden Stichprobenflächen vorgegeben, welche nach einer Zufallsstichprobe geschichtet nach Nutzungstypen und Landschaftstypen verteilt sind. In Deutschland gibt es für bundesweite Aussagen 1.000 Stichprobenflächen von 1 km2 Größe. Für Fragestellungen der Bundesländer stehen insgesamt 2.637 Stichprobenflächen zur Verfügung, die für Fragen auf Landesebene genutzt werden können.

Verändert wurde auch die Erhebungsmethode: es wird eine Linienkartierung entlang einer etwa 3 km langen Wegstrecke durchgeführt, welche die Brutvogelbestände auf den Stichprobenflächen gut abbildet (Südbeck et al. 2005). Das Programm hat bereits im zweiten Erhebungsjahr (2005) einen hohen Zuspruch von ehrenamtlichen KartiererInnen erfahren: von den 1.000 bundesweiten Probeflächen wurden bereits 626 vergeben.


Monitoring geschützter und gefährdeter Brutvogelarten

Bestandsentwicklung (Anzahl Brutpaare) der Uferschnepfe in Deutschland

Bestandsentwicklung (Indexwerte) der Uferschnepfe in Deutschland (aus Hötker et al. (in Vorbereitung)); offene Symbole: Indexwert wird mit einer Wahrscheinlichkeit von 75% auf 10% genau getroffen; geschlossene Symbole: Indexwert wird mit einer Wahrscheinlichkeit von 95% auf 10% genau getroffen

In diesem Monitoringprogramm werden seltene und mäßig häufige Arten erfasst. Die Basis dieses Monitorings bildet das Monitoring seltener Vogelarten, welches 1956 (in der DDR) bzw. 1977 (in der BRD) begonnen wurde. Ziel des Monitoringprogrammes ist es, Informationen über gefährdete und geschützte Arten zu erhalten, um Schutzprogramme und Schutzmaßnahmen entwickeln, überprüfen und umsetzen zu können.

Die Ergebnisse der Programme bilden die Datengrundlage für die Gefährdungseinstufung der Vogelarten (Rote Liste), die Erfüllung internationaler Berichtspflichten (z. B. EG-Vogelschutzrichtlinie, Ramsar-Konvention) und naturschutzbezogene Indikatoren (z. B. Nachhaltigkeitsindikator für die Artenvielfalt).

Das Monitoring geschützter und gefährdeter Brutvogelarten wird durch Erhebungen der Vogelschutzwarten der Länder (bzw. Arbeiten in deren Auftrag) und durch ehrenamtliche Kartierungen ermöglicht. Mit einer verbesserten Zählmethodik ("Zählgebietsansatz"), die sich bereits beim Monitoring von Wiesenbrütern bewährt hat, soll zukünftig der Datenfluss beschleunigt werden, um bundesweite Übersichten schneller und genauer erstellen zu können. Die Bestandsentwicklung der Uferschnepfe (Limosa limosa) wurde aus zahlreichen Einzelerhebungen, lokalen und regionalen Monitoringprogrammen errechnet. Dabei wurde der Zählgebietsansatz modellhaft zu Grunde gelegt. Bei der Uferschnepfe zeigt sich vor 1980 sich trotz starker Schwankungen, die auf ungenaue Kartierungsergebnisse zurückzuführen sind, eine Abnahme der Bestände. Nach 1980 erfolgte zunächst eine Stabilisierung, dann gingen seit Mitte der 90er Jahre die Bestände weiter zurück.


Monitoring rastender und überwinternder Wasservögel

Seit über 40 Jahren werden international synchronisierte Zählungen rastender Wasservögel auch in Deutschland durchgeführt. Aufbauend auf diesen langjährigen Erfahrungen wird im F+E-Vorhaben "Monitoring von Vogelarten in Deutschland" an einer organisatorischen Weiterentwicklung des Programmes und an weiteren methodischen Standardisierungen gearbeitet.

Ziele des Wasservogelmonitorings sind die Ermittlung der Gesamtbestände, deren räumliche wie zeitliche Veränderung getrennt nach einzelnen Populationen sowie die Feststellung und Bewertung von Rastgebieten. Dies ist die Grundlage für den Schutz der Wasservögel nach nationalen und internationalen Regelwerken (z. B. Ramsar-Konvention, Vogelschutz-Richtlinie). Auf Grund der langen Erfassungen lassen sich auch Auswirkungen des Klimawandels auf die überwinternden Wasservögel nachweisen, die sich in ihren räumlichen und zeitlichen Verbreitungsmustern an die neuen klimatischen Verhältnisse anpassen (Wahl & Sudfeldt 2005):

Um die Zählergebnisse künftig besser verfügbar zu machen und neue MitarbeiterInnen für das Projekt zu motivieren, wird derzeit ein breites  Informationsangebot im Internet aufgebaut. Dieses Internetangebot soll eine Informationsplattform bilden, die ein schnelles Feedback an die KartiererInnen liefert, Informationen zur Unterstützung der koordinativen Tätigkeiten liefern (z. B. Abgrenzung von Zählgebieten, Zähltermine), Interesse an der Mitarbeit bei Ehrenamtlichen wecken oder erhalten sowie für DatennutzerInnen ausgewählte Daten schnell und aktuell verfügbar machen (z. B. Naturschutzbehörden).


Literatur:

Gedeon, K.; Fischer, S. & Sudfeldt, C. (2003): Steckbyer Grundsätze und Ziele zum Vogelmonitoring in Deutschland. - In: Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt [Hrsg.]: Vogelmonitoring in Deutschland [= Berichte des Landesamtes für Umweltschutz Sachsen-Anhalt, Sonderheft 2003(1)]. - Halle, S. (Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt) S. 147-149.

Hötker, H., Jeromin; H. & Melter, J. (in Vorb.): Entwicklung der Brutbestände der Wiesen-Limikolen in Deutschland - Ergebnisse eines neuen Ansatzes im Monitoring mittelhäufiger Brutvogelarten. - Eingereicht bei "Die Vogelwelt".

Mitschke, A. & Ludwig, J. (2004): Monitoring häufiger Brutvögel in der Normallandschaft von Niedersachsen und Bremen. - Vogelkdl. Ber. Nieders. 36: 69-78.

Mitschke, A., Sudfeldt, C., Heidrich-Riske, H. & Dröschmeister, R. (2005):  Brutvogelmonitoring in der Normallandschaft Deutschlands - Untersuchungsgebiete, Erfassungsmethode und erste Ergebnisse. - Vogelwelt 126: 127-140.

Stickroth, H., Schmitt, G., Achtziger, R., Nigmann, U., Richert, E. & Heilmeier, H. (2003):  Konzept für ein naturschutzorientiertes Tierartenmonitoring - am Beispiel der Vogelfauna. - Angew. Landschaftsökol. 50, 398 S.

Südbeck, P., Andretzke, H., Fischer, S., Gedeon, K., Schikore, T. Schröder, K. & Sudfeldt, C.  (2005): Methodenstandards zur Erfassung der Brutvögel Deutschlands. - Radolfzell, 792 S.

Wahl, J. & Sudfeldt, C. (2005): 40 Jahre Wasservogelzählung: Welche Spuren hinterlassen Klimaschwankungen? - Tagungsband zur 138. Jahresversammlung der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft in Stuttgart: 78.


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Letzte Änderung: 14.04.2008

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