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Naturschutzökonomie


Wirtschaftliche Aspekte sind von zunehmender Bedeutung für den Naturschutz. Das Wissen um ökonomische Rahmenbedingungen und Argumentationen trägt dazu bei, das Naturschutzhandeln besser zu gestalten. Zur erfolgreichen Fortentwicklung nachhaltiger Strategien müssen vermehrt ökonomische Erkenntnisse genutzt werden:

  • Die gesellschaftliche Akzeptanz des Naturschutzes hängt in hohem Maße davon ab, wie dessen  wirtschaftliche Wirkungen bewertet werden. Ökologische und ökonomische Ziele lassen sich in vielen Fällen in Übereinstimmung bringen. 
  • Oft lässt sich der Schutz des Gemeingutes Natur mit privatem Nutzen und  regionalwirtschaftlichen Effekten verknüpfen, z.B. bei der Vermarktung naturgerecht hergestellter Produkte oder im Tourismus.
  • Naturschutz rechnet sich, muss aber auch  finanziert werden. Die Weiterentwicklung ökonomischer Instrumente und Anreizsysteme wie auch das Erschließen neuer Ressourcen für die Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen ist unerlässlich zur dauerhaften Sicherung von Naturschutzzielen.
  • Neue Impulse können u.a. von einer  Ergänzung des ordnungsrechtlichen Instrumentariums durch flexible Instrumente ausgehen, die auf Anreizen, Freiwilligkeit und Kooperation beruhen. Ein erfolgversprechendes Element ist hierbei die stärkere Einbeziehung von Naturschutzbelangen in unterschiedliche staatliche Förderprogramme.
  • Auch die Politik zur Erhaltung biologischer Vielfalt muss sich  Effizienzkriterien stellen: wie in anderen staatlichen Handlungsbereichen gilt auch für den Naturschutz: Effiziente Politik führt zu mehr Naturschutz und trägt gleichzeitig zur gesellschaftlichen Akzeptanz bei.

Ökonomischer Wert von Natur und Landschaft

Funktionierende Ökosysteme bilden die Grundlage zahlreicher Wirtschaftsaktivitäten, nicht nur in den klassischen Bereichen Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei. Die Natur birgt auch ein enormes Innovationspotenzial, etwa bei der Erforschung neuer Medikamente und industrieller Rohstoffe, als Vorbild für technische Entwicklungen (Bionik) und nicht zuletzt als genetische Ressource für eine langfristige Ernährungssicherung. Daneben leistet die Natur Schutzfunktionen: natürliche Auen mindern Hochwassergefahren, Bergwälder verhindern Lawinen und Muren. Zu den vielfältigen Ökosystemdienstleistungen, die einen ökonomischen Wert haben, die die Natur uns aber kostenlos zur Verfügung stellt, gehören auch die Bindung von Klimagasen z.B. im Holz von Wäldern oder die Bereitstellung von sauberem Grundwasser. Ökonomische Bewertungen befassen sich darüber hinaus mit dem Wert von Landschaften für die Erholung oder mit der Zahlungsbereitschaft von Menschen dafür, dass die Natur ohne weitere wirtschaftliche Vorteile allein als Wert an sich erhalten bleibt.

Wirtschaftliche Wirkungen des Naturschutzes / Regionalentwicklung

Auch wenn Naturschutz keiner weiteren wirtschaftspolitischen Legitimation bedarf: Der Schutz von Natur und Landschaft ist in vielen Regionen ein ernst zu nehmender Faktor für Beschäftigung, Einkommen und Wettbewerbsfähigkeit. Großschutzgebiete wie z.B. Nationalparks stellen einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor im Tourismus dar. Landschaftspflegeprogramme bieten Landwirten ein zweites wirtschaftliches Standbein. Auch in anderen Bereichen ergeben sich Synergieeffekte zwischen Naturschutz und volkswirtschaftlichen Zielen, etwa bei der naturverträglichen Hochwasservorsorge. Naturschutz lässt sich zudem in vielen Fällen betriebswirtschaftlich sinnvoll mit gewerblichen Tätigkeiten verbinden. Die Vermarktung naturverträglich hergestellter (regionaler) Produkte und Dienstleistungen stellt eine Chance im globalen Wettbewerb dar, die von Biosphärenreservaten, Naturparken, Regionalinitiativen und zunehmend auch von kommerziellen Unternehmen wahrgenommen wird.

Kosten und Finanzierung

Naturschutz hat einen großen volkswirtschaftlichen Nutzen, ist aber auch mit Kosten verbunden. Nur wenige Ziele des Naturschutzes lassen sich ohne Einsatz weiterer Finanzmittel allein dadurch realisieren, dass man Flächen unter Schutz stellt und der Natur für die weitere Entwicklung freien Lauf lässt. Die Frage der Finanzierbarkeit ist oft die entscheidende Umsetzungsfrage. Dies gilt für die Schaffung des europäischen Netzes NATURA 2000 ebenso wie für die Erhaltung des nationalen Naturerbes. Neben der staatlichen Mittelbereitstellung gilt es dabei zunehmend, das Potential privater Naturschutzfinanzierung besser auszuschöpfen und nachhaltige Finanzierungskonzepte zu entwickeln.

Ökonomische Instrumente

Durch Naturschutzbemühungen entstehen positive externe Effekte: vom Erhalt gefährdeter Tiere und Pflanzen und einer ästhetisch ansprechenden Landschaft für Erholungszwecke bis hin zu vielfältigen Ökosystemdienstleistungen in den Bereichen Boden, Wasser, Luft und Klima. Diese positiven Effekte werden aber nicht über den Markt mit einem Preis bewertet und ihre „Produzenten“ insofern nicht für die Bereitstellung entlohnt. Der Markt gibt falsche Signale. Gegen die Kräfte des Marktes wird eine erfolgreiche Sicherung der biologischen Vielfalt aber kaum möglich sein. Zur dauerhaften Sicherung von Naturschutzzielen ist es deshalb unerlässlich, das vorhandene naturschutzpolitische Instrumentarium um positive oder negative wirtschaftliche Anreize für den Erhalt der Natur zu erweitern. Zur Verbesserung volks- und betriebswirtschaftlicher Rahmenbedingungen sind bestehende Abgaben und Subventionen auf ihre Naturverträglichkeit hin zu überprüfen sowie die Berücksichtigung des Naturschutzes in gesamtwirtschaftlichen Bilanzierungs- und Bewertungssystemen zu verbessern.

Wirtschaftlichkeit und Effizienz

Unter ökonomischer Effizienz versteht man im Bereich des Naturschutzes in Abhängigkeit von der politischen Fragestellung entweder, dass mit einem gegebenen finanziellen Budget ein Höchstmaß an Naturschutz erzielt wird oder dass ein bestimmtes Naturschutzziel mit möglichst geringem finanziellen Aufwand erreicht wird. Eine stärkere Verankerung des Effizienzprinzips im naturschutzpolitischen Handeln ist von großer Bedeutung. Die öffentliche Akzeptanz von Naturschutzmaßnahmen hängt in hohem Maße davon ab, ob knappe finanzielle Ressourcen wirtschaftlich, d.h. hier sparsam und mit dem größtmöglichen Effekt verwendet werden.

Weitere Informationen

Im Rahmen der Vilmer Sommerakademien 2011-2010 haben die
 Vilmer Thesen zu Grundsatzfragen des Naturschutzes u. a. gezeigt, dass für die Erhaltung der Biodiversität auch die ökonomischen Rahmenbedingungen diskutiert und überdacht werden müssen.

 

Deutsche Wissenschaftler verfassten 2009 das
 Memorandum „Ökonomie für den Naturschutz“, in dem sie die wichtigsten Zusammenhänge zwischen Ökonomie und Naturschutz verdeutlichen und politische Forderungen ableiten.

Linktipps

TEEB-Studie
Die im Jahr 2010 präsentierte internationale TEEB-Studie (Die Ökonomie von Ökosystemen und Biodiversität) stellt Ansätze der Inwertsetung von Ökosystemdiensteistungen vor und verdeutlicht die wirtschaftlichen Auswirkungen der Schädigung von Ökosystemen.
 zur TEEB-Homepage

 

Naturkapital Deutschland (TEEB-DE)
Der internationale TEEB-Prozess wird auf nationaler Ebene in Deutschland fortgeführt. Im Auftrag des BMU erscheinen innerhalb von vier Jahren im Rahmen der Studie "Naturkapital Deutschland" eine Reihe von Berichten zum Wert der Ökosystemleistungen in Deutschland.

 

Kompetenzzentrum Naturkapital Deutschland
Zur Weiterentwicklung einer Erfassung und Bewertung der Leistungen von Ökosystemen und Biodiversität für Wirtschaft und Gesellschaft hat das BfN das  Kompetenzzentrum "Naturkapital Deutschland" eingerichtet. Eine wesentliche Aufgabe ist die fachliche Betreuung der Studie "Naturkapital Deutschland".

 

Produktivkraft Natur: Natur ist mehr.
 Überraschende Betrachtungen eines verkannten Wirtschaftsfaktors.

 

Im Jahr 2005 erschien das  Millennium Ecosystem Assessment, eine Studie der Vereinten Nationen, die einen systematischen Überblick über den Zustand von 24 wichtigen Ökosystemdienstleistungen bietet.

 


Letzte Änderung: 20.12.2011

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