Bundesamt für Naturschutz

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Grundlagen

Naturschutz und Erholungsnutzung in Städten und Dörfern


Lebensqualität

Haus im Grünen

Wohlbefinden oder Unbehagen gegenüber dem Siedlungsgebiet werden beeinflusst durch das Angebot an Kultur, Kommunikation, Freizeitgestaltung, Einkaufsmöglichkeiten und guter Infrastruktur. Aber auch ein attraktives Wohnumfeld und eine gute Versorgung mit gestalteten und naturnahen Freiräumen, schadstoffarmer Luft, unbelasteten Böden und Gewässern prägen das Lebensumfeld des Menschen und sorgen so für eine Identifikation mit der Stadt.

Natur in der Stadt steigert die Lebensqualität, sorgt für ein gesünderes Arbeits- und Wohnumfeld und gewährleistet ausreichend Erholung für Alle. Naturschutz kann also nicht an der Stadtgrenze enden! Gerade für den wenig mobilen Anteil der Bevölkerung, wie Kinder und ältere Menschen, ist es wichtig, ausreichend Natur in direkter Erreichbarkeit vor der eigenen Haustür zu haben.


Freiräume

Fussball

Spielplatz

Gruenflaeche

Freiräume gliedern, strukturieren und prägen das Erscheinungsbild der Stadt und sind gesellschaftliche Begegnungsstätte, Spiel- und Sportraum, Ruhe- und Erholungsbereich sowie stadtklimatischer Ausgleichsraum.

Für Freizeitgestaltung und Erholung sind auf Grünflächen vielerlei Möglichkeiten geboten. Spaziergang, Picknick, Sport und Spiel sind durchführbar und so wird die Freifläche zur gesellschaftlichen Begegnungsstätte, denn sie ist offen für Menschen jeden Alters und jeder Herkunfts- oder Berufsgruppe. "Naturerleben" ist bei ausreichender und vielfältiger Freiraumausstattung im besiedelten Bereich möglich. Somit verringern sich die Fahrtzeiten, die Erholungssuchende sonst häufig zurücklegen müssen, die Motivation zum Verzicht auf motorisierten Individualverkehr steigt und als Nebeneffekt tritt eine Verringerung klimatischer und Luftbelastungen auf.

Dabei lässt sich feststellen, dass zunehmend naturnahe Gestaltung und eine "ökologische Pflege" der Freiräume von den Bürgern gewünscht wird. Umfragen belegen: Für viele ist Naturschutz in der Stadt wichtig und viele nehmen an entsprechenden Naturschutzaktivitäten teil.

Durch die gestiegene Wertschätzung in der Bevölkerung messen auch Kommunalpolitiker  den städtischen Freiräumen wieder mehr Bedeutung bei und investieren auch in "ihre" Grünflächen oder unterstützen bürgerliches Engagement, wie Baumpatenschaften, Pflanzaktionen, Gewässerpflege und -renaturierung, temporäre Flächenbereitstellung oder die Schaffung von Naturerlebnisräumen.


Lebensräume

Hummel

Neuntoeter

Die abwechslungsreichen und vielfältigen Grünflächen bieten Lebensraum und Nahrung für Tiere und Pflanzen. Städte und Siedlungen sind heute von einem großen Artenreichtum geprägt.

Natur in der Stadt ermöglicht daher vielfältige Naturbeobachtungen vor der eigenen Haustür: Insekten auf den Blüten, Vögel an den Futterstellen im Winter, in Bäumen kletternde Eichhörnchen...

Vor allem für Kinder  und Jugendliche ist es wichtig, Natur nicht nur als Raum für Freizeitaktivitäten sondern auch als Lebensraum für Tiere und Pflanzen kennen zu lernen.

Um den Arten Lebensraum, und Kindern Naturerfahrungsräume zu bieten, sollen Freiräume großzügig bemessen und teilweise naturnah gestaltet sein. Stadtwälder und Brachflächen können hier künftig eine preiswerte Alternative zum intensiv gepflegten Stadtgrün sein.

Zusammenhängende und miteinander vernetzte Grünflächen dienen auch dem Biotopverbundsystem und werden damit zum wichtigen (Wander-) Element für Tier- und auch Pflanzenarten.


Boden, Wasser, Klima/Luft

Smog


Karte: Bebauungsgebiet Tiergarten

Simulierter Einflussbereich der im Großen Tiergarten produzierten Kaltluft auf die umliegenden Bebauungsgebiete (Digitaler Umweltatlas Berlin, 04.11 Klimamodell Berlin - Bewertungskarten, Ausgabe 2004)

In Städten sind Böden, Wasser, Klima/Luft und auch die Stoffkreisläufe des Naturhaushaltes stark beeinflusst. Böden sind durch Nutzung unterschiedlich überprägt oder versiegelt, mit Schadstoffen belastet oder in ihrer Filter- und Pufferfunktion stark eingeschränkt, was auch die Grundwasserqualität beeinträchtigt.

Die Luft ist belastet mit Schadstoffen - (Fein)-Stäube, Stickoxide, Ozon, Treibhausgase. Stadtklimatische Extreme, wie Aufheizung, geringe Luftfeuchtigkeit aber auch Schwülesituationen an heißen Sommertagen, wirken besonders für ältere und kranke Menschen gesundheitlich belastend, wie die von Medizinern nachgewiesene erhöhte Anzahl von Herzinfarkten an solchen Tagen belegen. Umso wichtiger ist, dass ökologische Funktionen wie das Vermindern von Luftbelastungen oder das Senken der Umgebungstemperatur erbracht werden. Diese Funktionen erfüllen in Siedlungen die Freiräume und Grünflächen aber auch Grünstrukturen wie Einzelbäume oder Alleen. Fassaden- und Dachbegrünungen verbessern nicht nur das hausnahe Klima und vermeiden im Sommer eine Überwärmung der Gebäude, auch sie filtern Schadstoffe aus der Luft.

Größe, Bewuchs und Vernetzung von Freiräumen sind Faktoren, die das Stadtklima positiv beeinflussen können. Denn die Abkühlungseffekte von Freiflächen wirken sich auf benachbarte bebaute Flächen aus. Eine weitere große Bedeutung haben Frischluftschneisen für die Frischluftentstehung und Durchlüftung in der Stadt. Bei der Innenverdichtung und bei Stadtrandbebauung ist darauf zu achten, dass Frischluftschneisen von den Baumaßnahmen freigehalten werden.


Stadt-Umland

Wohnqualität

Siedlung

Für viele junge Familien ist das kleine Häuschen im Grünen auch heute noch ein Traum und viele verwirklichen diesen. Raus aus dem Lärm und dem Stress der Großstadt, mehr Freiräume, gesündere Umwelt, ein kinderfreundliches soziales Umfeld und eine gute Wohnqualität sind häufig genannte Argumente.

Die Menschen zieht es deshalb an den Stadtrand und in die ländlichen Gebiete. Dort wurden häufig überdimensioniert große Wohnbaugebiete ausgewiesen und die Einfamilienhausverbauung schreitet voran. Für das Haus im Grünen heißt das, dass es bald von anderen Häusern umgeben sein wird. Neue Siedlungskerne werden gebildet, die umfassende Infrastruktur, die gewachsene Städte bieten, ist nicht vorhanden. Lärm, Hektik und schlechte klimatische Bedingungen - all das, dem man entfliehen wollte - nehmen zu. Außerdem bleibt die Zeit die man mit der Familie auf dem Land verbringen wollte meist auf der Strecke, die zum nun häufiger weiter entfernen Arbeitsplatz, zum Einkaufen oder zur Schule führen.


Siedlungs- und Verkehrsfläche

Gewerbegebiet

Autobahn

Aber auch Wirtschaftsbetriebe siedeln sich im Außenbereich an. Neue Verkehrswege und -ströme zum Transport von Menschen und Waren mit all ihren negativen Auswirkungen zum Beispiel auf Freiraumqualitäten und Klima sind die Folge.

Und so wachsen Städte über ihre Stadtgrenzen hinaus und Umlandgemeinden werden zu ihren Vororten. Die Zersiedlung in Außenbezirke und Stadtumlandgemeinden nimmt zu. Damit steigt auch der Flächenverbrauch in Deutschland weiter.

Die Siedlungs- und Verkehrsfläche in Deutschland hat in den Jahren 2003 bis 2006 insgesamt um 1657 km² oder 113 ha/Tag zugenommen. Die derzeitige tägliche Flächeninanspruchnahme entspricht damit ca. 160 Fußballfeldern!


Nachhaltigkeitsstrategie

Stadtnahe Landschaft

Ziel der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung ist es, die tägliche Inanspruchnahme neuer Siedlungs- und Verkehrsflächen bis zum Jahr 2020 auf 30 ha/Tag zu reduzieren. Hierzu bedarf es neuer Strategien. Denn auch künftig wird es Bedarf an neuen Wohnungen, neuen Betrieben und Erholungseinrichtungen geben.

Dem verständlichen Wunsch der Familien nach einem eigenen Haus, einer größeren Wohnung oder dem Unternehmer nach einer größeren Werkhalle, nach einer moderneren Produktionsstätte kann aber auch entsprochen werden, wenn innerhalb von Siedlungen vorhandenes Bauland zur Verfügung gestellt wird, sei es durch Lückenschluss oder Flächen- und Gebäuderecycling. Durch die  doppelte Innenentwicklung kann der Druck auf die immer weniger zur Verfügung stehenden wertvollen Freiräume im Umfeld der Städte vermindert werden.


Stadtnahe ländliche Gebiete

Ländliches Gebiet

Und ein weiterer Konflikt tut sich mit der weiter fortschreitenden Urbanisierung von stadtnahen ländlichen Gebieten auf. Traditionell sind diese stadtnahen ländlichen Gebiete Erholungsraum für die Bevölkerung, ermöglichen die regionale Erzeugung gesunder Lebensmittel und sind Rückzugsraum für eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten. Gerade im Übergangsbereich zwischen Stadt und Umland, in dem diese scheinbar gegensätzlichen Anforderungen konkurrieren, muss deshalb ein Optimum zwischen Landwirtschaft, Erholungsnutzung, Siedlungsentwicklung und Naturschutz geschaffen werden. Kooperation ist hier der Schlüssel zum Erfolg.


Umweltschonende Landwirtschaft in urbanen Räumen

Obstwiese

So lassen sich durch Extensivierungsprogramme, die auch das begrenzte Ausbringen von Düngemitteln und Pestiziden und die Vermeidung von großflächigen Monokulturen beinhalten, artenreiche und naturschutzfachlich wertvolle Flächen schaffen, die auch zur Erholungsnutzung geeignet sind. Im Gegenzug für die umweltschonende, ökologische Landwirtschaft, sind die großen Potenziale der regionalen Vermarktung, die gerade in Ballungsräumen bestehen, zu nutzen.

Es ist wichtig, die Menschen mit der Landwirtschaft - also den Verbraucher mit dem Erzeuger - in Berührung zu bringen, da heute viele Menschen auch die Landwirtschaft als störend empfinden, obwohl sie auf vielerlei Arten von ihr profitieren. Aber gerade in Ballungsräumen muss Landwirtschaft erhalten bleiben. Es darf nicht dazu kommen, dass durch nivellierte Erholungslandschaften das Umfeld der Ballungsräume zu reinen Vergnügungsparks werden und im Gegenzug Nahrungsmittel ausschließlich über weite Strecken zum Verbraucher transportiert werden müssen. Wochenmärkte und Markthallen, wie sie wieder verstärkt von der Bevölkerung in den Städten für die Versorgung genutzt werden, leben von der regionalen Erzeugung von Nahrungsmitteln.

Naturschutzfachliche Zielkonzepte die eine nachhaltige Entwicklung von Landwirtschaft, Erholung und Siedlungsentwicklung umsetzen, müssen deshalb entwickelt werden. Damit dient Naturschutz nicht nur der Erhaltung von Arten und Biotopen. Auch die Menschen profitieren durch ästhetisch anspruchsvolle und abwechselungsreiche Landschaften.


Letzte Änderung: 25.06.2007

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