Rote Liste gefährdeter Tiere
Die Rote Liste gefährdeter Tiere Deutschlands beinhaltet Rote Listen zu allen Wirbeltieren und zu ausgewählten Gruppen der Wirbellosen. Insgesamt sind von ca. 45.000 heimischen Tierarten mehr als 16.000 Arten (35 %) hinsichtlich ihrer Gefährdung bewertet worden (BINOT et al. 1998).
Aktuelle Gefährdungssituation
Von den untersuchten Gruppen wurden insgesamt 40 % in die Kategorien 1,2,3, G und R eingestuft. 3 % aller untersuchten Arten sind ausgestorben oder verschollen, 3% der Tierarten wurden in die Vorwarnliste aufgenommen.
Beispiele unterschiedlicher Gefährdungssituation anhand ausgewählter Tiergruppen
Blattfußkrebse
Alle in Deutschland heimischen Blattfußkrebse (ohne Cladocera, Wasserflöhe) stehen auf der Roten Liste. Die meisten dieser Arten sind Warmwassertiere, deren Lebensräume - meist temporäre Kleingewässer - durch Maßnahmen der Land- und Forstwirtschaft und des Wasserbaus zunehmend verschwinden.
Fransenflügler
Die Fransenflügler sind dagegen ökologisch wenig anspruchsvoll und sehr anpassungsfähig. Der größte Teil dieser Artengruppe (88 %) ist daher derzeit nicht gefährdet. Bei 1 % ist die Datengrundlage unzureichend.
Großschmetterlinge
Die Situation bei den Großschmetterlingen entspricht in etwa dem Mittelwert aller berücksichtigten Tiergruppen und steht stellvertretend für viele weitere Tiergruppen. Hier wird eine Vielzahl von Gefährdungsursachen wirksam, die von direkter Entnahme über stoffliche Belastungen bis hin zur Biotopzerstörung reichen.
Die Käfer fallen bei der Betrachtung der absoluten Artenzahlen mit 6.537 bewerteten Arten im Vergleich zu anderen Gruppen besonders ins Gewicht. So macht z.B. die Gesamtheit aller heimischen Wirbeltierarten (668 Arten) gerade 10 % dieses Wertes aus. Von den Käfern befinden sich rund 3.000 Arten auf der Roten Liste. Somit sind fast die Hälfte aller Tiere der Roten Liste Käfer.
Gefährdungsursachen
In welchem Ausmaß verschiedene Gefährdungsursachen wirksam werden, wird am Beispiel von Laufkäferarten unterschiedlicher Habitattypen dargestellt:
| Typ | Arten |
gefährdet* |
wesentliche Gefährdungsursachen |
|---|---|---|---|
* Kat. 0-3, R Quelle: TRAUTNER et al. 1997, verändert |
|||
| Bewohner von Küstenbiotopen oder Binnenlandsalzstellen | 34 | 27 (79 %) | Biotopzerstörung, Maßnahmen des Küstenschutzes; z. T. natürliche Seltenheit |
| Bewohner von Biotopen des Gebirges | 21 | 17 (76 %) | z. T. natürliche Seltenheit; Biotopzerstörung und qualitative Verschlechterung (insbes. durch Sport und Freizeitnutzung) |
| Bewohner von vegetationsarmen Ufern, Bänken und Aufschwemmungen | 96 | 55 (57 %) | Zerstörung natürlicher und naturnaher Auen, Verhinderung von Fließgewässerdynamik; Rekultivierung und Sukzession in potentiellen Ersatzlebensräumen (z.B. Abbaugebieten) |
| Bewohner von vegetationsreichen Ufern, Sümpfen und Mooren | 85 | 54 (64 %) | Biotopzerstörung, Degradation, Entwässerung, Nutzungsintensivierung, z.T. Nutzungsaufgabe |
| Bewohner von Wäldern (einschl. Extremstandorten und Sukzessionsstadien) | 85 | 36 (42 %) | naturferner Waldbau, Verhinderung oder Einschränkung natürlicher Prozesse, Zerstörung natürlicher Auenwälder, Standortveränderung (v.a. Entwässerung) |
| Bewohner von Trocken- und Halbtrockenrasen oder Heiden | 62 | 52 (84 %) | Biotopzerstörung, Aufforstung, Nutzungsaufgabe, Eutrophierung; z.T. natürliche Seltenheit |
| Bewohner von Roh- und Skelettböden (ohne Auearten) sowie anderer Sonderstandorte | 17 | 4 (24 %) | Verlust oder Renovierung historischer Keller, Gewölbe und Mauern, Rekultivierung von Abbaugebieten; Verhinderung oder Bepflanzung bzw. Befestigung von Störstellen wie Hangrutschungen; z.T. natürliche Seltenheit |
| Bewohner von Biotopen der weitgehend offenen Kulturlandschaft und sonstige Arten | 153 | 18 (12 %) | intensive landwirtschaftliche Nutzung, Verlust von nutzungsbegleitenden Strukturen und kurzzeitigen Brachen in Anbausystemen, Biozideinsatz, Eutrophierung |
Rote Listen im europäischen Vergleich
Am Beispiel der Säugetiere zeigt ein Vergleich mit anderen europäischen Staaten, dass auch aus internationaler Perspektive die Gefährdungssituation in Deutschland sehr ernst zu nehmen ist (aus Binot et al. 1998).
Bestandsänderungen
Viele Änderungen, Neueinstufungen oder auch die Herausnahme von Arten aus der neuen Roten Liste ergeben sich u.a. aus dem verbesserten Kenntnisstand über die Gefährdung. Durch das Hinzukommen der neuen Bundesländer vergrößerte sich im Vergleich zu 1984 zudem die Gesamtzahl der jetzt in Deutschland vorkommenden und zu berücksichtigenden Arten (z.B. Frankfurter Ringelspinner Malacosoma franconica) bzw. Populationen (z.B. Seeadler Haliaeetus albicilla). Trotz solcher positiver Effekte zeichnet sich bei vielen Tiergruppen weiterhin ein negativer Trend ab. Als häufigste Ursache ist der Verlust von Lebensräumen zu nennen.
Bestandsentwicklungen am Beispiel von:





