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Rote Liste gefährdeter Tiere

Die Rote Liste gefährdeter Tiere Deutschlands von 1998 beinhaltet Rote Listen zu allen Wirbeltieren und zu ausgewählten Gruppen der Wirbellosen. Insgesamt sind von ca. 45.000 heimischen Tierarten mehr als 16.000 Arten (35 %) hinsichtlich ihrer Gefährdung bewertet worden (BINOT et al. 1998).

Im Oktober 2009 erschien der erste Band der aktualisierten Fassung der Roten Listen, der Säugetiere, Brutvögel, Kriechtiere, Lurche sowie der im Süßwasser reproduzierenden Neunaugen und Fische. Die Meeresfische sowie ausgewählte Gruppen der Wirbellosen werden in den nachfolgenden drei Bänden publiziert.

Der erste Band enthält neben den Roten Listen einen ausführlichen Methodenteil und eine  Auswertung. Die nachfolgende Abbildung gibt einen Überblick über die Anteile der Gefährdungskategorien (Gesamtzahl und %) für alle bewerteten Wirbeltiergruppen.

Aktuelle Gefährdungssituation der Wirbeltiere

Gefährdungssituation der hier bewerteten Wirbeltiere. Angegeben ist die Anzahl der Taxa, die der jeweiligen Rote-Liste-Kategorie zugeordnet sind, sowie der zugehörige Prozentsatz (n=478). Bei Auswertungen werden Neobiota vereinbarungsgemäß nicht berücksichtigt.

 

 

Gefährdungssituation 1998

Von den untersuchten Gruppen wurden insgesamt 40 % in die Kategorien 1,2,3, G und R eingestuft. 3 % aller untersuchten Arten sind ausgestorben oder verschollen, 3% der Tierarten wurden in die Vorwarnliste aufgenommen.

 Gefährdungssituation einzelner Tiergruppen, pdf-Datei


Beispiele unterschiedlicher Gefährdungssituationen anhand ausgewählter Tiergruppen der Roten Liste von 1998


Blattfußkrebse

Alle in Deutschland heimischen Blattfußkrebse (ohne Cladocera, Wasserflöhe) stehen auf der Roten Liste. Die meisten dieser Arten sind Warmwassertiere, deren Lebensräume – meist temporäre Kleingewässer – durch Maßnahmen der Land- und Forstwirtschaft und des Wasserbaus zunehmend verschwinden.


Fransenflügler

Die Fransenflügler sind dagegen ökologisch wenig anspruchsvoll und sehr anpassungsfähig. Der größte Teil dieser Artengruppe (88 %) ist daher derzeit nicht gefährdet. Bei 1 % ist die Datengrundlage unzureichend.

Großschmetterlinge

Die Situation bei den Großschmetterlingen entspricht in etwa dem Mittelwert aller berücksichtigten Tiergruppen und steht stellvertretend für viele weitere Tiergruppen. Hier wird eine Vielzahl von Gefährdungsursachen wirksam, die von direkter Entnahme über stoffliche Belastungen bis hin zur Biotopzerstörung reichen.

Die Käfer fallen bei der Betrachtung der absoluten Artenzahlen mit 6.537 bewerteten Arten im Vergleich zu anderen Gruppen besonders ins Gewicht. So macht z.B. die Gesamtheit aller heimischen Wirbeltierarten (668 Arten) gerade 10 % dieses Wertes aus. Von den Käfern befinden sich rund 3.000 Arten auf der Roten Liste. Somit sind fast die Hälfte aller Tiere der Roten Liste Käfer.


Gefährdungsursachen

In welchem Ausmaß verschiedene Gefährdungsursachen wirksam werden, wird am Beispiel von Laufkäferarten unterschiedlicher Habitattypen dargestellt:

Gefährdungsursachen am Beispiel von Laukäferarten unterschiedlicher Habitattypen
Typ
Arten
gefährdet*
wesentliche Gefährdungsursachen
* Kat. 0-3, R Quelle: TRAUTNER et al. 1997, verändert
Bewohner von Küstenbiotopen oder Binnenlandsalzstellen 34 27 (79 %)
Biotopzerstörung, Maßnahmen des Küstenschutzes; z. T. natürliche Seltenheit
Bewohner von Biotopen des Gebirges 21 17 (76 %)
z. T. natürliche Seltenheit; Biotopzerstörung und qualitative Verschlechterung (insbes. durch Sport und Freizeitnutzung)
Bewohner von vegetationsarmen Ufern, Bänken und Aufschwemmungen 96 55 (57 %)
Zerstörung natürlicher und naturnaher Auen, Verhinderung von Fließgewässerdynamik; Rekultivierung und Sukzession in potentiellen Ersatzlebensräumen (z.B. Abbaugebieten)
Bewohner von vegetationsreichen Ufern, Sümpfen und Mooren 85 54 (64 %)
Biotopzerstörung, Degradation, Entwässerung, Nutzungsintensivierung, z.T. Nutzungsaufgabe
Bewohner von Wäldern (einschl. Extremstandorten und Sukzessionsstadien) 85 36 (42 %)
naturferner Waldbau, Verhinderung oder Einschränkung natürlicher Prozesse, Zerstörung natürlicher Auenwälder, Standortveränderung (v.a. Entwässerung)
Bewohner von Trocken- und Halbtrockenrasen oder Heiden 62 52 (84 %)
Biotopzerstörung, Aufforstung, Nutzungsaufgabe, Eutrophierung; z.T. natürliche Seltenheit
Bewohner von Roh- und Skelettböden (ohne Auearten) sowie anderer Sonderstandorte 17 4 (24 %)
Verlust oder Renovierung historischer Keller, Gewölbe und Mauern, Rekultivierung von Abbaugebieten; Verhinderung oder Bepflanzung bzw. Befestigung von Störstellen wie Hangrutschungen; z.T. natürliche Seltenheit
Bewohner von Biotopen der weitgehend offenen Kulturlandschaft und sonstige Arten 153 18 (12 %)
intensive landwirtschaftliche Nutzung, Verlust von nutzungsbegleitenden Strukturen und kurzzeitigen Brachen in Anbausystemen, Biozideinsatz, Eutrophierung

Rote Listen im europäischen Vergleich

Am Beispiel der Säugetiere zeigt ein Vergleich mit anderen europäischen Staaten, dass auch aus internationaler Perspektive die Gefährdungssituation in Deutschland sehr ernst zu nehmen ist (aus Binot et al. 1998).


Bestandsänderungen

Viele Änderungen, Neueinstufungen oder auch die Herausnahme von Arten aus der neuen Roten Liste ergeben sich u.a. aus dem verbesserten Kenntnisstand über die Gefährdung. Durch das Hinzukommen der neuen Bundesländer vergrößerte sich im Vergleich zu 1984 zudem die Gesamtzahl der jetzt in Deutschland vorkommenden und zu berücksichtigenden Arten (z.B. Frankfurter Ringelspinner Malacosoma franconica) bzw. Populationen (z.B. Seeadler Haliaeetus albicilla). Trotz solcher positiver Effekte zeichnet sich bei vielen Tiergruppen weiterhin ein negativer Trend ab. Als häufigste Ursache ist der Verlust von Lebensräumen zu nennen.

Bestandsentwicklungen am Beispiel von:

 Apollofalter

 Seeadler

Letzte Änderung: 14.10.2010

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