Tagungsdokumentation
Vom 12. - 15. März 2007 fand an der Internationalen Naturschutzakademie Insel Vilm des Bundesamtes für Naturschutz die Tagung: "Biomasseproduktion - ein Segen für die Land(wirt)schaft?" im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Naturschutz und Landwirtschaft im Dialog" statt.
Hintergrund und Fragestellung:
Deutschland ist durch die Unterzeichnung des Kyoto-Protokolls zu einer Einsparung von 21% der CO2- Emissionen bis 2012 (bezogen auf 1990) verpflichtet. Die Nutzung von Biomasse kann dazu beitragen, dieses Klimaziel zu erreichen.
Der Anbau von Biomasse boomt in Deutschland vor allem durch die im August 2004 in Kraft getretene Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Insbesondere der Bonus für nachwachsende Rohstoffe (NawaRo-Bonus) und weitere Förderinstrumente wie die Energiepflanzenprämie und der mögliche Anbau von nachwachsenden Rohstoffen auf Stilllegungsflächen haben diese Entwicklung beeinflusst. Für den Naturschutz eröffnen sich dadurch u.a. folgende Chancen:
- Etablierung "neuer" Anbauformen wie z.B. Agroforstsysteme
- Nutzung des Aufwuchses von Pflegeflächen
- Extensive Weiterbewirtschaftung von Grenzertragsstandorten
Neben den Chancen birgt der verstärkte Anbau von Biomasse aber auch Risiken. Die hierzu bisher erschienenen Arbeiten beziehen sich überwiegend auf folgende Aspekte:
- Umwandlung von Grünland in Ackerland
- Zunehmende Flächenkonkurrenz
- Intensivierung bisher extensiv genutzter Flächen, auch in der Forstwirtschaft
- Anbau von NawaRo´s auf Stilllegungsflächen
- vorgezogene Erntetermine bei Zweikulturnutzung
- Verengung von Fruchtfolgen - Verlust von Nutzungs- und Strukturvielfalt
Tagungsverlauf
Im Rahmen der Reihe "Naturschutz und Landwirtschaft im Dialog" gab daher in diesem Jahr das Thema "Biomasseproduktion - ein Segen für die Land(wirt)schaft" Gelegenheit, bisherige und mögliche künftige Entwicklungen und ihre Auswirkungen zu diskutieren. Das
Tagungsprogramm ermöglichte, angeregt durch Referate und mit ausreichend Zeit zur Diskussion im direkten Dialog zwischen Landwirtschaft und Naturschutz Strategien und Lösungsansätze für einen möglichst naturverträglichen Anbau von Biomasse zu entwickeln. In einem gemeinsam entwickelten
Thesenpapier wurden Ansprüche an und Kriterien für den Anbau von Biomasse formuliert, die geeignet sind, Aspekte des Naturschutzes angemessen zu berücksichtigen und in die politische Diskussion einzubringen. Das Thesenpapier spiegelt nicht die Meinung jedes einzelnen Referenten oder Tagungsteilnehmers oder die Meinung des Bundesamts für Naturschutz wieder, sondern ist ein in der Tagung gemeinsam entwickeltes Grundlagenpapier.
Vorträge
Kathrin Ammermann vom BfN-Leipzig hielt den Einführungsvortrag zum Thema: "
Biomasse: Chancen und Risiken aus Naturschutzsicht".
Die Vorträge der Referenten:
- Fehrenbach, Host: "
Kriterien zur nachhaltigen Bioenergienutzung im globalen Maßstab"
- Gödecke, Katja: "
Fruchtfolgegestaltung im Energiepflanzenanbau"
- Grass, Rüdiger: "
Biomasseanbau - Auswirkungen auf Umwelt- und Naturschutz: Chancen und/oder Risiken?"
- Grass, Rüdiger: "
Ein wahrer ökologischer Landbau hat auch eine ökologische Energieversorgung!"
- Lamp, Helmut: "
Daten und Fakten zum Biomasseanbau in Deutschland"
- Pellmeyer, Josef: "
Biogas im Einklang der Ökologie und Ökonomie?"
- Peters, Wolfgang: "
Die möglichen Risiken des Biomassenabaus für Natur und Landschaft und ihre öffentliche Wahrnehmung"
- Petzold, Frank: "
Chancen und Risiken des Energiepflanzenanbaus für die Landwirtschaft"
- Schöne, Florian: "
Biomasseanbau: Schlussfolgerungen und Forderungen aus Sicht des NABU"
- Skambracks, Daniel: "
Finanzierung von Bioenergie - Nachhaltigkeit in der Praxis der Kreditvergabe"
