Das Schwäbische Donautal: Auwaldverbund von nationaler Bedeutung
Die Region und Ausgangssituation


Fotos: U. Mäck (1), Bayer. LfU (1)
Projektgebiet ist das Donautal zwischen Iller im Westen und Lech im Osten und umfasst Teile der Landkreise Neu-Ulm, Günzburg, Dillingen und Donau-Ries im bayerischen Schwaben. Es erstreckt sich über 87 km entlang der Donau und repräsentiert damit 13 Prozent des deutschen Donauanteils.
Das Kerngebiet verfügt über eine vielfältige Arten- und Biotopausstattung mit 518 Rote-Liste-Arten – darunter auch zahlreiche endemische Arten des Donauraums – sowie 51 gefährdeten Lebensraumtypen. Im Fokus des Projekts steht die Donauaue mit ihren Auenwäldern, die mit einem Anteil von ca. 10 Prozent der gesamten Auwaldfläche zu den größten zusammenhängenden und zugleich besterhaltenen Auwaldkomplexen in Deutschland gehört.
Rund 70 Prozent der Wälder befinden sich in öffentlicher Hand. Sie werden überwiegend naturnah genutzt, standortfremde Gehölze wie Fichten und Hybridpappeln sind vergleichsweise selten. Die Region verfügt zudem über eine Reihe anderer typischer Auenelemente wie Altwasser, Flutmulden, Auwaldbäche, Auentümpel, Röhrichte, Auwaldbäche, Brennen, Quell- und Niedermoore sowie Auenwiesen.
Durch zehn Staustufen und die partielle Eindeichung der Donau wird die natürliche Fließgewässerdynamik beeinträchtigt, sodass im Projektgebiet nur rund 29 Prozent der Donau frei fließen und die Überflutung in Teilen der Aue nur bei Höchstwasserständen erfolgt oder ganz unterbleibt. Dies führt zu kontinuierlichen Veränderungen in den überflutungsabhängigen Auwaldbeständen. Die nährstoffreichen Auenböden außerhalb der eingedeichten Bereiche unterliegen zudem einem starken Intensivierungsdruck durch die Landwirtschaft. Zahlreiche Gewässer innerhalb der Aue werden intensiv von Erholungssuchenden und Anglern genutzt. Dies führt hier zur Störung sensibler Bereiche und hat Eingriffe in die natürliche Fischfauna zur Folge. Außerhalb der Aue ist der Siedlungsdruck stark. In Leipheim/Günzburg, Gundelfingen-Höchstädt und Donauwörth wurden mehrere neue Gewerbegebiete ausgewiesen. Der aktuelle "Bio-Gas-Boom" hat zudem eine massive Erhöhung des Maisanbaus zur Folge, der zur Reduzierung von ökologisch wertvollem Grünland führt.
2002 hat das Schwäbische Donautal als eine von bundesweit 18 Regionen den Bundeswettbewerb "Regionen aktiv" gewonnen. Seither hat sich das Schwäbische Donautal im touristischen Bereich zu einer Gesundheits- und Aktivregion entwickelt.
Die Vision


Fotos: U. Mäck (2)
Ziel des Projekts ist es, die Donauauen mit ihren Auwäldern als funktional zusammenhängendes Band auentypischer Lebensräume langfristig zu sichern und dazu die natürlichen Prozesse in Teilbereichen zu verbessern. Natürliche Fließgewässer (Donau und ihre Nebengewässer, Auenbäche), Auwälder, Altwasser, Tümpel, Flutmulden, Röhrichte, Auenwiesen, Quellmoore und Brennen sollen in ihrer Vielfalt erhalten und ihrer Qualität optimiert werden.
Die naturschutzfachlichen Maßnahmen sollen sicherstellen, dass entlang der Donau und ihrer Aue ein Austausch zwischen den Populationen der lebensraumtypischen Pflanzen- und Tierarten möglich ist, damit das Projektgebiet seiner Rolle als international bedeutsame Verbundachse dauerhaft gerecht werden kann. Dazu sollen die hydrologischen Standortbedingungen maßgeblich verbessert werden.
Überall dort,wo dies möglich ist, soll die Aue wieder in die natürliche Überschwemmungsdynamik einbezogen werden. Dazu sollen alle Möglichkeiten einer "Dynamisierung", z. B. durch den Bau von Ein- und Ausleitungsbauwerken, den Bau von Umleitungsgerinnen um Stauwerke oder durch die Wiederinstandsetzung von Altwasserarmen und deren Anbindung an das Hochwassergeschehen genutzt werden. Eine naturnahe Bewirtschaftung mit Waldhutungen, extensive Beweidung mit Schafen, Rindern und Hausschweinen sowie Vertragsnaturschutz und einen partiellen Nutzungsverzicht soll sichergestellt werden, dass sich die Auwälder natürlich entwickeln können.
Die Zertifizierung als naturnah und nachhaltig genutzter Auwald soll neue Vermarktungsmöglichkeiten für Edel- und Furnierhölzer erschließen. Landschaftsprägende Kopfweidenbestände sollen erhalten und Vermarktungsstrukturen für Flechtprodukte aufgebaut werden. Die Vermarktung typischer Produkte wie Wildbret und Fisch aus den Auen ist vorgesehen.
Auch die touristische Nutzung gilt es naturverträglich zu entwickeln. Dazu werden die Auwälder in das radtouristische Netz des Schwäbischen Donautals eingebunden. Besondere erlebnistouristische und kulturhistorische Angebote sind zu schaffen. Es ist ferner beabsichtigt, durch Umweltbildung in Schulen und Kindergärten sowie als touristisches Angebot die besondere Bedeutung des Donautals als Lebensraum für Mensch und Natur besser zu kommunizieren. Das Donautal soll schließlich als eine der fünf wichtigsten Auenlandschaften Deutschlands bekannt gemacht und als Urlaubsziel etabliert werden.
Die Partnerschaft
Träger des Naturschutzgroßprojekts soll in Kooperation mit der "Arbeitsgemeinschaft Schwäbisches Donaumoos e. V". der Verein "Donautal-Aktiv" werden.Der Verein fungiert aufgrund der verschiedenen Sparten sowohl als Plattform für regionale Entwicklung als auch als anerkannter Landschaftspflegeverband. Angestoßen durch das Modellvorhaben Regionen aktiv des BMELV sind alle relevanten Gesellschafts- und Interessengruppen (Landkreise, Kommunen, Unternehmen,Verbände, Fachbehörden und Privatpersonen) miteinander vernetzt und Wertschöpfungsketten-Partnerschaften aufgebaut, an die angeknüpft werden soll.
Bewertung
Das Projekt baut konsequent auf bestehenden Strukturen und Konzepten auf und entwickelt diese fachlich fundiert und mit zahlreichen überzeugenden Umsetzungsideen weiter, die dem Ansatz des Wettbewerbs in sehr hohem Maße entsprechen. Als einer der größten zusammenhängenden Auwaldkomplexe Deutschlands hat die Region nicht nur eine herausragende Bedeutung auf Bundesebene.Als Teil der europäischen Biotop-Verbundachse ist sie auch von internationaler Bedeutung.
Die gerinnehydraulischen Daten und die naturschutzfachlichen Potenziale lassen die Projektziele realistisch erscheinen. Auch die Besitzverhältnisse werden im Hinblick auf den Umsetzungserfolg sehr positiv bewertet. Mit dem Gesamtökologischen Gutachten Donauried sowie den von "Donautal-Aktiv" bereits etablierten Regionalentwicklungsstrukturen sind die konzeptionellen Grundlagen bereits vorhanden.
