Lebens.Netz.Dresden
Die Region und Ausgangssituation


Foto oben: Bako/PIXELIO
Das Projektgebiet umfasst die Stadt Dresden sowie die angrenzenden Landkreise Meißen und Sächsische Schweiz. Das urban-industriell geprägte Gebiet mit dem Weltkulturerbe Dresdner Elbtal hat eine besondere Bedeutung für den Naturschutz. Auf engem Raum sind hier eine große Anzahl und Vielfalt naturnaher Lebensräume, bedrohter Tier- und Pflanzenarten sowie historisch geprägter Kulturlandschaften anzutreffen. Herausragende Beispiele besonders bedrohter Arten, die hier vorkommen, sind Wiesenkopfameisenbläuling, Elbebiber, Wiesenralle, Mopsfledermaus, Fieberklee und falsches Schlafmoos. Aktuell gibt es auf Dresdner Stadtgebiet 3 Naturschutzgebiete, 11 Landschaftsschutzgebiete, 112 Naturdenkmale und 10 Natura 2000-Gebiete.
Landschaftliches Hauptmerkmal der Region ist die Elbe. Sie hat eine bedeutende Vernetzungsfunktion. Der Fluss ist in eine unverbaute Wiesenaue eingebettet, die ursprünglichen Auenwälder sind verschwunden. Bei der Begradigung des Flusses wurden Nebenarme und Auengewässer abgeschnitten. Teilweise wurden diese Bereiche verfüllt, bebaut oder zum Kiesabbau genutzt. Dresden hat zudem einen relativ hohen Waldanteil und vielfältig genutzte landwirtschaftliche Flächen, die teilweise ökologisch bewirtschaftet werden. Ein Viertel der sächsischen Streuobstwiesen, die unter gesetzlichem Schutz stehen, befinden sich im Projektgebiet. Die Vernetzung der einzelnen Waldgebiete untereinander und zu angrenzenden Waldgebieten ist durch Wohn-, Verkehrs- und Gewerbeflächen sowie Kleingartengrundstücke beeinträchtigt. Ein spezielles Potenzial stellen 3.600 innerstädtische Brachflächen dar, die durch den Strukturwandel und den Abriss leer stehender Wohngebäude entstanden sind. Die Arten- und Biotopvielfalt ist insbesondere durch Bautätigkeit, Intensivierungsbestrebungen in der Landwirtschaft und die Aufgabe historischer Wirtschaftsweisen bedroht.
Das Projekt zielt darauf ab, Gefährdungen abzuwenden und einige bestehende Beeinträchtigungen rückgängig zu machen. Um funktionsfähige Biotopverbindungen und artenreiche Kulturlandschaften wiederherzustellen sollen dafür auch Bauwerke entfernt und Strukturelemente neu geschaffen werden.
Die Vision


Lebens.Netz.Dresden ist Teil einer langfristigen Raumstrategie der Stadt Dresden und basiert auf drei Leitthemen: "Lebensraumvernetzung", "Bürgergärten" und "Kulturlandschaft". Ziel ist es, die bestehende Vielfalt der Arten und der naturnahen Lebensräume in Dresden und den angrenzenden Regionen zu sichern und zu erhöhen. So soll auch die Attraktivität als Wirtschafts- und Wohnstandort erhöht werden.
Unter dem Leitthema "Lebensraumvernetzung" soll die überregionale ökologische Vernetzung entlang der Elbe mit ihren Nebengewässern sowie der Waldkomplexe im Norden Dresdens bewahrt und gestärkt werden. Dazu sollen die hier mosaikartig verteilten naturnahen Flächen durch Grünkorridore miteinander verbunden werden. Dies soll insbesondere durch Biotopschutz, Rückbaumaßnahmen, Flächenankauf und Renaturierung erreicht werden.
Städtische Brachen sollen als "Bürgergärten" naturnah oder floral, zeitweise oder dauerhaft naturschutzgerecht gestaltet und genutzt werden. Auf diese Weise sollen Naturinseln und Sukzessionsräume entstehen.
Unter dem Leitthema "Kulturlandschaft" sollen landwirtschaftliche Flächen extensiviert und mit Kleinstrukturen (z. B. Hecken) angereichert werden. Streuobstbestände sollen erhalten, gefördert und in Biotopverbundstrukturen einbezogen werden. Alle Streuobstbestände und 20 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe sollen auf ökologische Wirtschaftsweise umgestellt werden. Die Vermarktung der so erzeugten Produkte wie beispielsweise Bio- Produkte und Bio-Fruchtsäfte soll verstärkt in der Region erfolgen. Dazu soll eine regionale Erzeuger- Verarbeiter-Verbraucher-Gemeinschaft für Bio-Lebensmittel (VERVE) gegründet werden mit einem eigenen Regionalmanagement, Markenzeichen und Abnahmegarantien für die Mitglieder.
Die Partnerschaft
Das Projekt beruht auf einer breiten Partnerschaft von Akteuren aus Naturschutzverbänden,Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft. Projektträger ist der Umweltzentrum Dresden e. V.
Auf der Naturschutzseite zählen folgende Organisationen zu den Akteuren der regionalen Partnerschaft: BUND Kreisgruppe Dresden, Grüne Liga Dresden/Oberes Elbetal, Grüne Liga Projekt Streuobstwiesen, Landratsamt Meißen, Umweltamt, Landeshauptstadt Dresden, Umweltamt, NABU Regionalverband Meißen- Dresden, NABU, Naturbewahrung Dresden e. V., Paul, Freier Garten- und Landschaftsarchitekt, Sächsische Landesstiftung Natur und Umwelt, Umweltzentrum Dresden e. V.
Zu den sozioökonomischen Akteuren der regionalen Partnerschaft gehören Gäa – Vereinigung ökologischer Landbau e.V., Landesverband Sachsen, Hochschule für Technik und Wirtschaft (FH) Dresden, Professur für ökologischen Landbau, Kreishandwerkerschaft Dresden, Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung, Regionaler Planungsverband Oberes Elbtal/Osterzgebirge, Staatsbetrieb Sachsenforst, Forstbezirk Dresden, VG – Verbrauchergemeinschaft für umweltgerecht erzeugte Produkte e. V., Dresden.
Bewertung
Das Projekt Lebens.Netz.Dresden zeigt in beispielhafter Weise, wie in einem urban/industriell geprägten Lebensraum Natur erhalten und entwickelt, die Wirtschaft gestärkt und die Lebensqualität verbessert werden kann. Die Projektregion weist ein bundesweit beispielhaftes Mosaik von natürlichen und naturnahen Biotopen, wertvollen Sekundärbiotopen und historisch wertvollen Kulturlandschaften auf. Sie ist ein homogener Wirtschaftsraum mit identitätsstiftender Bedeutung.Die Region verfügt über ein großes Potenzial zur Inwertsetzung des natürlichen Kapitals, insbesondere durch naturverträgliche Naherholung und ökologische Landbewirtschaftung. Durch die Nähe zu kaufkräftigen und für Ernährungsfragen sensibilisierten Bevölkerungsschichten in Dresden sind die Möglichkeiten für eine Regionalvermarktung insbesondere für Bio-Produkte hervorragend. Die Akteure sind thematisch breit aufgestellt, dadurch werden alle fachlichen Belange umfassend vertreten. Eine breite Akzeptanz ist zu erwarten.
