Flussdynamik: Wie die Flüsse fließen
Jedes Jahr dasselbe: Im Winter und Frühling bekommen die Anwohner des Rheins nasse Füße, im Sommer und Herbst können sie das Wasser kaum noch sehen - so wenig fließt nur noch im Flussbett. Im Jahr 2011 konnte man das besonders gut beobachten: Im Oktober war es so trocken, dass nur noch die Fahrrinne des Rheins Wasser führte. Ringsum sah es aus wie in einer Wüste. Und im Dezember regnete es dann so viel, dass es dem Fluss bald schon wieder zu eng wurde in seinem Bett.
Warum weiß der Fluss nicht, was er will?
Diesen steten Wechsel zwischen Hochwasser und Niedrigwasser nennt man "Flussdynamik". Sie ist ein ganz natürlicher Vorgang, denn wenn es im Frühling viel regnet und der Schnee schmilzt, müssen die Flüsse viel Wasser zum Meer bringen. Im Hochsommer dagegen kann der Regen auch ein paar Wochen lang ausbleiben. Der Fluss wird kleiner bis schließlich nur noch ein Rinnsal übrig bleibt. Die Tiere und Pflanzen im und am Fluss haben sich angepasst. Ohne das ständige Auf und Ab könnten manche Arten gar nicht überleben.
Wem nützt das Hin und Her der Flüsse?
Besonders die Tier- und Pflanzenarten an den Flussufern sind vom launischen Hin und Her ihres Nachbarn abhängig.
Wenn du dir ein Flussufer mal genauer anschaust, dann siehst du dort ganz bestimmte Baumarten: Silberweiden, Eschen, Ulmen, Erlen und Schwarzpappeln zum Beispiel haben gern ab und zu nasse Füße. Mehr noch: Sie brauchen sogar gelegentliche Überflutungen. Dort, wo Deiche das Land vom Wasser trennen und das Grundwasser absinkt, wachsen keine Weiden.
Biber lieben ruhige Seitenarme von Flüssen und bauen ihre Burgen gerne mit Weidenholz. Dort, wo der Fluss begradigt wurde, fließt er zu schnell für Biberbauten. Aber gerade wenn Flächen überschwemmt werden und der Fluss Seitenarme bildet, findet der Biber genügend passenden Lebensraum.
Kröten, Frösche und Molche kommen in Überschwemmungsgebiete, um zu laichen - das heißt, dass sie ihre Eier im Wasser ablegen. Diese Tiere nennt man "Amphibien". Sie leben zwar an Land, aber ihr Nachwuchs kommt im Wasser zur Welt. Nach einem Frühlings-Hochwasser sind die übrig gebliebenen Pfützen mit Tausenden Kaulquappen gefüllt. Bis die Pfützen ausgetrocknet sind, sind die kleinen Lurche längst erwachsen und können an Land leben.












