Naturschutz als Beitrag zur Konfliktvermeidung im Kaukasus
- Vertreter der Kaukasus-Staaten auf Einladung der Bundesregierung in Deutschland
Bonn, 30.10.2001: Auf Einladung des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) diskutierten Vertreter der drei Kaukasus-Staaten Georgien, Armenien und Aserbeidschan in der vergangenen Woche in Deutschland über eine grenzüberschreitende regionale Naturschutzzusammenarbeit. Dabei stand im Vordergrund, welche Rolle der Naturschutz bei der Vermeidung von Konflikten in der instabilen und strategisch bedeutsamen Region spielen kann.
"Die Bedeutung grenzüberschreitender Naturschutzgebiete für die Konfliktprävention ist in den vergangenen Jahren enorm gestiegen", erklärte Prof. Dr. Hartmut Vogtmann, Präsident des Bundesamtes für Naturschutz. "Vor allem in Lateinamerika und Südafrika macht man damit positive Erfahrungen. Wir wollen diese Ansätze mit unserer besonderen Kompetenz in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion verbinden und unterstützen solche Projekte, u.a. auch in der Altai-Region (China, Kasachstan, Mongolei, Russland)." Der Naturschutz, der oft genug mit Akzeptanzproblemen zu kämpfen hat, erhält hier eine neue, zusätzliche Legitimation, die auch allgemeinpolitisch von Bedeutung ist.
Im April hatte die Bundesregierung eine "Kaukasus-Initiative" verabschiedet, um durch die Förderung regionaler Zusammenarbeit im Umwelt-, Gesundheits- und Energiesektor zur Friedenssicherung beizutragen. Die langjährigen Kontakte des Bundesamtes für Naturschutz nach Georgien wurden nun genutzt, um über die Einrichtung eines Biosphärenreservates zu beraten, das sich über alle drei Staaten erstrecken soll. Sowohl Georgien als auch Deutschland werden von den miteinander verfeindeten Armeniern und Aserbeidschanern als neutrale Mittler akzeptiert.
Im Anschluss an die Beratungen, die im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin bei Berlin stattfanden, besichtigten die Delegationen die Biosphärenreservate "Flusslandschaft Elbe" und "Rhön", um einen praktischen Einblick in die Chancen von Modellregionen einer nachhaltigen Entwicklung zu erhalten.
