Artenschutz lohnt sich
- Fachtagung zur Analyse von Artenschutzprogrammen beendet:
- Zusammenarbeit mit der Land- und Forstwirtschaft soll verstärkt werden
Augsburg/Bonn, 06.12.2001: Artenschutz lohnt sich: Vielen bedrohten Pflanzen in Deutschland wie der Sibirischen Schwertlilie, dem Sonnentau oder der Küchenschelle konnte in den vergangenen 30 Jahren durch gezielte Schutzmaßnahmen geholfen werden. Diese Bilanz zogen mehr als 120 Naturschützer bei einer Fachtagung des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) zur Analyse der Artenschutzprogramme für Pflanzen in Deutschland (vom 3. bis 5. Dezember) in Augsburg.
"Der Naturschutz kennt viele Erfolgsgeschichten und leistet einen wichtigen Beitrag zur Sicherung der Lebensqualität in Deutschland", erklärte BfN-Präsident Prof. Hartmut Vogtmann. Um bedrohten Arten künftig noch besser helfen zu können, wolle man jedoch künftig noch enger mit der Land- und Forstwirtschaft, sowie zwischen Bund, Ländern, Kommunen, Verbänden und der Forschung zusammenarbeiten, betonte Vogtmann. Auch sei geplant die Öffentlichkeitsarbeit über Beispiele erfolgreicher Artenschutzmaßnahmen auszubauen und stärker zu fördern.
Deutlich wurde bei dem ersten bundesweiten Erfahrungsaustausch in Augsburg, daß es mit der Unterschutzstellung und dem Ankauf von Flächen meist nicht getan ist, wenn man bedrohten Pflanzenarten wirksam helfen will. Vielmehr ist ein qualifiziertes Naturschutzmanagement mit einem speziellen Bündel von Maßnahmen nötig. Dieses umfasst Grundlagenforschung, Vermehrung und Wiederansiedlung von Pflanzen, spezifische Mahd oder Beweidung, Biotopgestaltung, Schulung der Land- und Forstwirte, Betreuung, Erfolgskontrolle, Besucherlenkung, Öffentlichkeitsarbeit bis zum Langfristmonitoring.
Schutzmaßnahmen für besonders gefährdete und seltene Pflanzenarten wie dem Schierlings-Wasserfenchel nutzen vielen anderen Pflanzen- und Tierarten und schaffen vielfältige Lebensbedingungen. Dies zeigen Erfahrungen aus Hamburg, wo das BfN zusammen mit dem Senat ein entsprechendes Modellvorhaben durchführt. Im Hamburger Stadtgebiet wurde ein neuer Priel angelegt und Schlick umgesetzt, um die seltene Art zu fördern. Außer dem Schierlings-Wasserfenchel wachsen nun innerhalb kurzer Zeit über 130 weitere typische und z.T. gefährdete Pflanzenarten in dem neugeschaffenen Biotop.
Der Naturschutz kann auch der Landwirtschaft neue Einkommenschancen bieten. So über die Ackerrandstreifenprogramme. Hierbei verzichtet der Landwirt auf die Herbizidausbringung und Düngung an den Ackerrändern und erhält hierfür eine Ausgleichsprämie. Auf den extensiv bewirtschafteten Ackerrandstreifen blühen dafür wieder Frauenspiegel oder Sommer-Adonisröschen. Der bundesweite Erfahrungsaustausch in Augsburg wurde vom BfN gemeinsam mit dem Bayerischen Landesamt für Umweltschutz sowie dem Institut für Biodiversität - Netzwerk e.V. durchgeführt. Erstmals tauschten sich hier Naturschützer aus Kommunen, Landes- und Bundesbehörden, Vereinen und Verbänden sowie der Forschung zu Artenschutzprogrammen für Pflanzen in Deutschland aus.
