Landschaft der Industriekultur Nord


Fotos: Detlef Reinhardt
Das Projektgebiet ist eine typische Bergbaufolgelandschaft: kleinteilig, dicht besiedelt und von Verkehrswegen zerschnitten. Es liegt im mittleren Saarland zwischen den Gemeinden Illingen, Hüttigweiler/Stennweiler, Neunkirchen, Friedrichsthal und Quierschied. Träger wird ein Zweckverband aus den Gebietskörperschaften der beteiligten Städte und Gemeinden sowie der Industriekultur Saar GmbH.
Nach dem Niedergang der Montanindustrie hat sich im Projektgebiet ein Mosaik spezialisierter Lebensräume entwickelt. Für die Bevölkerung bedeutete der Wegfall des Industriezweigs jedoch den Verlust von Arbeitsplätzen und identitätsstiftenden Strukturen sowie demografischen Wandel.
Ziel des geplanten Naturschutzgroßprojekts ist der Erhalt der "Landschaft der Industriekultur" mit all ihren Facetten, ihre emotionale und landschaftliche Aufwertung sowie die Bildung einer neuen regionalen Identität. Die Lebensqualität der Bevölkerung soll verbessert, der Erholungs- und Erlebniswert der Region gesteigert werden.
Das Projekt ist ein Baustein des Regionalparks Saar, der Land und Region eine Neuorientierung ermöglichen soll, die auf dem landschaftlichen und industriellen Erbe der Gegend aufbaut. Durch die Entlassung aus dem Bergrecht oder die Aufgabe landwirtschaftlicher Nutzung werden Flächen frei, die durch Erwerb langfristig für den Naturschutz gesichert werden sollen. Dieser wird dabei als Impulsgeber, die Natur als neue Motivation verstanden. Naturschutzfachliche und sozio-ökonomische Ziele und Maßnahmen sind daher eng miteinander und mit anderen Projekten in der Region verknüpft. Das Projekt baut auf der bewährten und erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Naturschutz auf. Die Unterstützung des Landes ist ebenso sicher wie die hohe Motivation aller Beteiligten.
Die besondere Bedeutung des Projekts liegt in der Komplexität und Verbundenheit vielfältiger Biotope auf kleinem Raum. Nahezu 100 Rote-Liste-Arten kommen hier vor. Um der Vielfalt an Lebensräumen gerecht zu werden, besteht das Kerngebiet aus 18 Teilflächen. Diese werden in vier innovativen "Landschaftslaboren" gebündelt. Sie bilden die unterschiedlichen landschafts- und nutzungsbezogenen Eigenarten der Region vollständig ab, die in dieser Kombination auf engem Raum einmalig sind. Die Maßnahmen sind jeweils auf die entsprechenden Laborschwerpunkte abgestimmt.
Im Landschaftslabor "Bergbaufolgelandschaft Heinitz" (acht Kerngebiete, 910 ha) haben sich auf Halden, Schlammweihern und Industriebrachen zahlreiche spezialisierte Arten angesiedelt, darunter Wechselkröte, Gelbbauchunke und Salzbinse. Hier gilt es, die Bergbaurelikte nach dem Motto "Natur Raum lassen" weiterzuentwickeln. Pionierarten- und -biotope werden gefördert, innovative Konzepte verbinden Schutz und Nutzung, z.B. durch die Nachnutzung als Mountainbikestrecke oder Brennholzlieferant.
Naturnahe, alte Buchenwälder prägen das Landschaftslabor "Forstwirtschaft und natürliche Prozesse" (zwei Kerngebiete, 812 ha). Hier soll größtmögliche Naturnähe bei gleichzeitiger ökonomischer Tragfähigkeit erreicht werden (prozessschutzorientierte Forstwirtschaft). D.h., man greift so wenig wie möglich in den Kreislauf des Waldes ein und nutzt ihn nur selektiv für die Holzgewinnung. Dadurch werden zugleich Lebensräume für gefährdete Käferarten wie Beulenkopfbock und Zwerghirschkäfer erhalten.
Im Landschaftslabor "Vogelzug und wilde Weiden" (ein Kerngebiet, 232 ha) rund um den Schlammweiher Hanwies werden die Strukturen des Weihers erhalten und die umliegenden landwirtschaftlich genutzten Flächen so umstrukturiert, dass er zum Zentrum einer halboffenen Weidelandschaft mit kleinen Fließgewässern und größeren Weihern wird. Diese bietet Lebensraum für Zwergtaucher, Drosselrohrsänger, Geburtshelferkröte und Bachforelle. Auch Zugvögel sollen hier rasten.
Im Landschaftslabor "Neuerfindung der Bergmannskuh" geht es um die Entwicklung siedlungsnaher Landwirtschaft (sieben Kerngebiete, 410 ha). Es baut auf der Selbstversorgungslandwirtschaft früherer Arbeiterbauern auf und nutzt das Interesse am Wissen über die Bewirtschaftung kleiner Landparzellen. Rote-Liste-Arten wie Nordisches Labkraut, Steinkauz und Edelkrebs haben sich rund um das Fließwassersystem angesiedelt, das zu diesem Komplex kleinräumiger Bewirtschaftung gehört.
Entdeckerpfade sollen die Landschaftslabore zugänglich machen. Sie sind Mittel der aktiven, sanften Besucherlenkung und berücksichtigen die naturschutzfachlichen Ziele der Landschaftslabore. In sensiblen Bereichen werden Besucher zu Beobachtungspunkten oder über Bohlenstege und Hängebrücken geführt. In anderen Bereichen werden Erholungsaktivitäten gezielt genutzt, um bestimmte Strukturen zu erhalten (z.B. Offenhaltung). So wird das Gebiet gleichermaßen naturverträglich und attraktiv zugänglich gemacht.
Präsentation des Gewinnerprojekts als pdf-Dokument (2 Seiten, Stand: Juni 2009)
Die Präsentation dieser Region als einer der zehn Gewinner der Stufe 1 (Stand: Mai 2008) steht im Menüpunkt
Finalisten zur Verfügung.
