Hohe Schrecke – Alter Wald mit Zukunft
Die Region und Ausgangssituation


Fotos: Thomas Stephan
Die Hohe Schrecke ist ein rund 7.000 ha großes, nahezu unzerschnittenes Waldgebiet in Nordthüringen an der Grenze zu Sachsen-Anhalt. Das Projektgebiet mit einer Fläche von 15.400 ha gehört zum Kyffhäuserkreis und dem Kreis Sömmerda in Thüringen sowie dem Burgenlandkreis in Sachsen- Anhalt.
Nach Jahrhunderten mit einer extensiven Bewirtschaftung und 50 Jahren als militärisches Sperrgebiet haben sich dort reich strukturierte Waldlebensräume mit einem hohen Altholzanteil erhalten. Große Teile des Waldes entsprechen der potenziell natürlichen und für Mitteleuropa typischen Vegetation, insbesondere dem bodensauren Buchenwald. Zudem sind anmoorige Lebensräume zu finden. Das nachgewiesene Vorkommen von 600 Großpilzarten ist ein beispielhafter Beleg für die große Artenvielfalt. Das Waldgebiet wird von einem Gürtel aus Streuobstwiesen, Brachflächen, Hecken, Trockenbüschen sowie Trocken- und Magerrasen umschlossen. Die historisch gewachsenen Kulturbiotope werden extensiv landwirtschaftlich genutzt und weisen einen guten Erhaltungszustand auf.
2002 gründeten alle 14 Anrainerkommunen der Region die "Kommunale Arbeitsgemeinschaft Hohe Schrecke". Gemeinsam mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, der Naturstiftung David und anderen Naturschutzorganisationen setzt sie sich für eine naturschutzgerechte Regionalentwicklung ein. Die erstellten Konzepte, u. a. für die naturverträgliche touristische Erschließung der Hohen Schrecke, konnten bislang wegen ungeklärter Eigentumsverhältnisse nicht umgesetzt werden. Der größte Flächenanteil der Hohen Schrecke befindet sich in Privat- und Landeseigentum. Wirtschaftlich ist das Projektgebiet heute vor allem durch die land- und forstwirtschaftliche Nutzung geprägt. Als Folge der wirtschaftlichen Umstrukturierung nach der politischen Wende liegt die Arbeitslosenquote über 20 Prozent. Vor diesem Hintergrund erhält die touristische Entwicklung der Region eine besondere Bedeutung.
Die Vision


Fotos: Thomas Stephan
Im Rahmen des Projekts soll das Waldgebiet Hohe Schrecke in seiner Natürlichkeit bewahrt und weiter entwickelt werden. Die Waldflächen, die sich noch im Besitz Thüringens befinden, könnten vom Land in das Projekt eingebracht werden. Zusammen mit den Bewirtschaftern, insbesondere der Thüringer Landesforstverwaltung, soll ein beispielhaftes Nutzungskonzept entwickelt werden, um die artenreichen Buchenwaldgesellschaften zu erhalten. In Verbindung mit sanftem Tourismus, regionaler Energieversorgung aus nachwachsenden Rohstoffen und Naturerlebnis könnte die naturnahe Forstwirtschaft zum Motor der Regionalentwicklung werden.
Aus naturschutzfachlicher Sicht sollen im Rahmen des Projekts rund 1.000 Hektar alten Waldes aus der Nutzung genommen werden (z. T. durch Ankauf privater Waldflächen), 3.500 ha Wald sollen naturnah mit hohem Altholzanteil bewirtschaftet werden, auf bis zu 200 ha soll eine Mittelwaldnutzung mit regionaler Verwertung als Energieholz etabliert werden. Ferner ist geplant, die anmoorigen Bereiche wieder zu vernässen und rund 25 km Waldfließgewässer zu renaturieren.
Die Naturnähe der Waldflächen soll für touristische Angebote genutzt werden – in enger Vernetzung mit kulturellen Attraktionen der Region wie der Himmelsscheibe von Nebra oder der Kaiserpfalz Memleben und den Gesundheitsangeboten der nahen Kurorte Bad Kösen, Bad Sulza und Bad Bibra. Im Projektbereich der Hohen Schrecke sollen dabei neue, naturverträgliche Besuchermagneten entwickelt werden. Mögliche Beispiele sind ein Urwald-Kletterpfad, eine Aussichtsplattform und ein entsprechend ausgeschildertes Wander- und Radwegenetz.
Die Partnerschaft
Die Initiative für das Naturschutzgroßprojekt geht von den Anrainerkommunen des Waldgebietes Hohe Schrecke aus. Seit Jahren arbeiten sie eng mit dem BUND Thüringen und der Naturstiftung David zusammen. Darüber hinaus gibt es eine enge Zusammenarbeit mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt und der Gregor-Louisoder-Umweltstiftung. Gemeinsam soll eine Stiftung "Hohe Schrecke – Alter Wald mit Zukunft" als unselbstständige Stiftung unter dem Dach der Naturstiftung David gegründet werden. Sie würde die Trägerschaft des Projekts übernehmen.
Bewertung
Die Projektregion Hohe Schrecke erfüllt alle Kriterien der Förderrichtlinie für Naturschutzgroßgebiete. Die Artenausstattung ist in besonderer Weise ökosystemtypisch. Größe und Integrität der Buchenwaldökosysteme sind aus bundesweiter Sicht herausragend. Der Plan, rund 1.000 ha Wald aus der Nutzung zu nehmen, ist beispielhaft. Zudem liegt eine Machbarkeitsstudie zur naturschutzgerechten Regionalentwicklung der Region bereits vor. Sie zeigt u. a. die vorhandenen Potenziale für den Tourismus. Das hohe Engagement aller betroffenen Kommunen lässt auf eine hohe Akzeptanz des Projekts in der Region schließen.
