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Hohe Schrecke – Alter Wald mit Zukunft


Wald im Dunst


Stamm mit Baumpilzen im Laubwald


Blume

Fotos: Frank Meyer/Büro rana (2), Thomas Stephan (1)

Die Hohe Schrecke ist ein über 7.000 ha großes Waldgebiet mit hohem Altbaumbestand in Nordthüringen an der Grenze zu Sachsen-Anhalt. Es zählt bundesweit zu den wenigen unzerschnittenen Laubwaldgebieten und ist ein herausragendes Beispiel für diesen Landschaftstyp in der Bundesrepublik. Zusammen mit den Buchenwäldern der Hainleite, mit der Naturerbefläche "Friedrichslohra" und dem Hainich mit dem gleichnamigen Nationalpark bildet die "Hohe Schrecke" einen großflächigen Waldbiotopverbund. Der nördliche Teil des Projektgebiets (13.452 ha) liegt im Kyffhäuserkreis, der südliche im Landkreis Sömmerda. Wirtschaftlich ist das Projektgebiet heute vor allem durch land- und forstwirtschaftliche Nutzung geprägt. Nach Jahrhunderten extensiver Bewirtschaftung und 50 Jahren als militärisches Sperrgebiet haben sich hier jedoch reich strukturierte Waldlebensräume mit inselartig verteilten urwaldähnlichen Buchenbeständen entwickelt und erhalten.

In den vielfältig strukturierten Lebensräumen des Buchenwaldökosystems mit staunassen bis moorigen Offenlandbereichen sowie Quellbereichen und naturnahen Still- und Fließgewässern leben zahlreiche gefährdete oder geschützte Tier- und Pflanzenarten. Die Vegetation des Kerngebiets besteht zu rund 72,4% aus Laub(misch)wäldern, Nadelwälder haben lediglich einen Anteil von 18,6%. Die herausragende Qualität der Fauna und Flora spiegelt sich - neben einem hohem Altbaumbestand - im hohen Anteil von Buchenwald-Lebensraumtypen wider: Waldmeister-Buchenwald, Hainsimsen-Buchenwald und Labkraut-Eichen-Hainbuchenwald sind hier vertreten. Umschlossen wird das Waldgebiet von einem Gürtel aus Streuobstwiesen, Brachflächen, Hecken sowie Trocken- und Magerrasen. Die historisch gewachsenen Kulturbiotope werden extensiv landwirtschaftlich genutzt und weisen einen guten Erhaltungszustand auf. Das nachgewiesene Vorkommen von 600 Großpilzarten ist beispielhaft für die große Artenvielfalt. Hervorhebenswert sind das einzige thüringische Vorkommen der Aufrechten Waldrebe sowie die reiche Orchideenflora: 18 Orchideenarten, darunter Frauenschuh, Dreizähniges Knabenkraut, Langblättriges Waldvöglein und Sumpf-Sitter. Im Kerngebiet und dessen unmittelbarer Umgebung leben 80% der in Thüringen vorkommenden Fledermausarten. Eine Vielzahl höhlenbrütender Vögel, Amphibien- und Säugetierarten, wie z.B. Kammmolch, Laubfrosch, Haselmaus, Siebenschläfer, Wildkatze und Luchs, haben hier ihren Lebensraum.
 
Ziel des Projekts ist es, das Waldgebiet Hohe Schrecke in seiner Natürlichkeit zu bewahren. Das beispielhafte Nutzungskonzept zum Erhalt der artenreichen Buchenwaldgesellschaften sieht die enge Verzahnung ungenutzter und naturnah genutzter Waldbereiche vor. Als herausragende Maßnahmen sollen rund 1.000 ha alten und 365 ha jungen Waldes aus der Nutzung genommen werden. Eine naturnahe Forstwirtschaft könnte - in Verbindung mit regionaler Energieversorgung aus nachwachsenden Rohstoffen und sanftem Tourismus mit dem Schwerpunkt "Naturerlebnis" - zum Motor einer gestärkten Regionalentwicklung avancieren. Gemäß dem Prinzip "Schutz durch Nutzung" wird nicht komplett auf Nutzung verzichtet: Geplant sind die naturnahe Bewirtschaftung von 3.500 ha Wald mit hohem Altholzanteil, ein Netz aus Altholzinseln in den bewirtschafteten Bereichen sowie eine Mittelwaldnutzung mit regionaler Verwertung als Energieholz auf bis zu 200 ha. Zudem wird die konsequente Abkehr von der Nadelholzwirtschaft angestrebt. In den durch Entwässerung gestörten Bereichen wird eine Annäherung an den natürlichen Wasserhaushalt und eine Aufwertung der Gewässerstrukturen angestrebt.

Die vergleichsweise kleine Region setzt im Tourismus auf eine konsequente Verbindung mit der umliegenden Infrastruktur. Unter dem Motto "Erlebnisort Biodiversität" ist vorgesehen, die Naturnähe der Waldflächen für touristische Angebote zu nutzen – in enger Vernetzung mit kulturellen Attraktionen der Umgebung wie der Himmelsscheibe von Nebra, dem Nationalpark Hainich mit seinem Baumkronenpfad sowie den Angeboten der nahen Kurorte. Innovative, naturverträgliche Besuchermagneten wie z.B. ein Urwald-Kletterpfad oder ein "Turm der Zeitreisenden" sind ebenso geplant wie ein besucherlenkendes Wander- und Radwegenetz und die Entwicklung von Pauschalangeboten.

2002 gründeten alle 14 Anrainerkommunen der Region die "Kommunale Arbeitsgemeinschaft Hohe Schrecke". Gemeinsam mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, der Naturstiftung David und anderen Naturschutzorganisationen setzt sie sich für eine naturschutzgerechte Regionalentwicklung ein. Zur Umsetzung der Projektziele wird eine optimierte Zusammenarbeit zwischen allen Akteuren angestrebt, die dann zugleich einen Weg für neue Ideen und Kooperationen öffnet und mit einer verstärkten Öffentlichkeitswirkung eine breite Akzeptanz in der Region zur Folge hat. Die Initiierung einer nachhaltigen Regionalentwicklung ist ein wichtiger Baustein zur Sicherung und Entwicklung des Buchenwaldgebiets "Hohe Schrecke": Umwelttourismus, nachhaltige Landnutzung von Wald und Landwirtschaft, Umweltbildung und die Förderung regionaler Wirtschaftskreisläufe stellen - vor dem Hintergrund dieses einmaligen, aber bislang kaum bekannten Waldgebiets - für den Naturschutz und die Region einzigartige Entwicklungschancen dar.

 Präsentation des Gewinnerprojekts als pdf-Dokument (2 Seiten, Stand: Juni 2009)

Die Präsentation dieser Region als einer der zehn Gewinner der Stufe 1 (Stand: Mai 2008) steht im Menüpunkt  Finalisten zur Verfügung.

 

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Hohe Schrecke – Alter Wald mit Zukunft

Kategorie
"Wälder"

Projekträger
Naturstiftung David in enger Zusammenarbeit mit dem Verein "Hohe Schrecke - Alter Wald mit Zukunft e. V." und der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft Hohe Schrecke 

Bundesland
Thüringen

Gesamtgröße der Region
13.452 ha

Größe des Kerngebietes
6.029 ha

Gesamtgewinner

Eine Broschüre "Die Gewinner" können Sie im Servicebereich herunterladen.

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